UmweltBriefe -<wbr> Aus Kommunen und Forschung
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Ausgabe 25-26/13 19. Dez.
 
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Extreme Böden, reicher Genuss

Zum elften Mal war der 5. Dezember Weltbodentag und zum zehnten Mal wurde an jenem Tag hierzulande ein Boden des Jahres ausgerufen: Für 2014 einigte sich das zuständige Kuratorium auf die hiesigen 100 000 ha Weinbergsböden. Da dürfte es eigentlich an Aufmerksamkeit nicht mangeln, schließlich geraten hier Umweltschutz und Genuss unter einen Hut. „Eine fantastische Wahl“, findet daher auch der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth. Die Böden des Jahres seien in den vergangenen zehn Jahren immer stärker wahrgenommen worden, „auch weil sich ihre Darstellung immer mehr verbessert hat“, lobte der UBA-Chef auf der Festveranstaltung. Tatsächlich zeigen mittlerweile einige der 10 000 Winzer in Rheinland-Pfalz, wo 70 Prozent der deutschen Weinmenge entstehen (650 Mio. l/a), den Kunden das Bodenprofil, auf denen die Rebe ihres göttlichen Getränks reift. Bloß, welchen Anteil am Geschmack hat der Boden? Laut Weingesetz entscheidet allein das Mostgewicht. Doch „davon bewegt man sich allmälich weg“, sagt Otmar Löhnertz von der hessischen Weinhochschule Geisenheim am Rheingau. Nicht mehr der Öchslegehalt, die Menge des in der Traube assimilierten Fruchtzuckers sei ausschlaggebend für die Weinqualität, heißt es nun, sondern das Terroir, das Zusammenspiel von Lage, Klima, Boden und Mensch.

„Kaum eine andere Kulturpflanze“, sagte Bodenkundler Löhnertz, „wird auf so unterschiedlichen Böden angebaut“ wie die Weinrebe. Doch ob nun Öchsle oder Terroir oder wo auch immer die im Wein erfassbare „sensorische Dimension“ herrührt – zumindest dem Präsidenten des Umweltbundesamtes (UBA) kann es darum nun nicht gehen. Vielmehr wolle er ja, wie Jochen Flasbarth auf der Festveranstaltung sagte, mit den Böden des Jahres die Sensitivität für den Bodenschutz steigern. Und da goss er dann eher Wasser in den Wein.

Denn hierzulande ist weiterhin ein zu hoher Flächenverbrauch zu beklagen. Derzeit widmen kommunale Behörden nach Angaben des UBA täglich 69 ha meist landwirtschaftliche Nutzfläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche um. Zwar war die Fläche, die täglich umgenutzt wurde, im Jahr 2000 mit 131 ha noch fast doppelt so groß. Doch bereits in sechs Jahren will die Bundesregierung die Bodenversiegelung auf nur noch 30 ha pro Tag verringert haben, so das Ziel der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie. Ist das denn noch zu schaffen? Nur dann, mahnt das UBA, wenn Maßnahmen ergriffen würden, „die über die bisher geplanten Vorhaben deutlich hinausgehen“. Senken ließe sich der Flächenverbrauch, wie die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) vorschlägt, durch „ein grundsätzliches Bauverbot auf der grünen Wiese“. Leider, beklagt die KBU, befördere die Konkurrenz der Kommunen um Steuermittel den Flächenfraß. Dadurch würden oft überdimensionierte Wohn- und Gewerbeparks ausgewiesen.

Kommunen sollten ihr Bauland besser vermarkten und die Entsiegelung belohnen. Der Druck auf die Flächen außerhalb der Siedlungen würde abnehmen „und das rechnet sich auch“, lässt sich der KBU-Vorsitzende Franz Makeschin zitieren.

„Gebrauchen, aber nicht verbrauchen, ist das Prinzip beim Umgang mit der begrenzten Ressource Boden.“ So heißt es im Koalitionsvertrag von Union und SPD. Zu intensiver Gebrauch könne aber zu unheilbaren Schäden führen, gab UBA-Chef Flasbarth während seiner Festrede zu bedenken. „Die Frage der Erhaltung der Bodenqualität, die nachhaltige Bodennutzung, muss also beim Gebrauch immer mitgedacht werden.“ Doch nur ein Tag im Jahr, um darüber nachzudenken, reiche nicht aus. Flasbarth begrüßt deshalb den Vorschlag der Welternährungsorganisation FAO, 2015 zum UN-Jahr der Böden zu machen. Schließlich ist der Flächenverbrauch ja auch ein globales Problem. „Dass indische Konzerne in Äthiopien dreißigtausend Hektar Wald in Ölpalmen und zehntausend Hektar Feuchtgebiete in Reisplantagen umwandeln wollen, machen genauso besorgt, wie die drei Millionen Hektar, die China in der Ukraine pachten will.“ Geradezu wie ein Luxusproblem macht sich da der Streit darüber aus, welchen Einfluss der Boden auf den Geschmack deutscher Weine hat.

von Tim Bartels

> Eine Broschüre über dIe Weinbergsböden in Rheinland-Pfalz als PDF unter www.mwkel.rlp.de/File/Broschuere-Weinbergsboeden-Web-klein-pdf
> Vielfältige Informationen zum Thema Boden bietet die Internetseite www.bodenwelten.de
> Flasbarths Rede: www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/dokumente/2013-12-05_p-rede_boden_des_jahres_final_0.pdf
 

 

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