UmweltBriefe - Aus Kommunen und Forschung
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Ausgabe 25-26/12, 20. Dez.
 
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Was für eine Plaggerei!

Jedes Jahr zum Weltbodentag (5. Dezember) stellt man fest, dass kaum jemand davon Notiz nimmt und dass die wenigen, die es doch tun, emsig daran arbeiten wollen, „das verloren gegangene Verhältnis zu unserer Lebensgrundlage Boden wieder herzustellen“. So etwa das Kuratorium Boden des Jahres, das sich zum neunten Mal auf einen Bodentyp einigte. Für 2013 entschied man sich für den Plaggenesch. Ein tolles Wort, nicht gerade lautmalerisch, aber schön niedersächsisch“, sagte Tim Schröder bei der Präsentation. Der Wissenschaftsjournalist lebt in Oldenburg und wusste bis zu seinem Moderationsauftrag nicht, dass seine Stadt zumindest punktuell umgeben ist von diesem besonderen Boden, der durch die sogenannte Plaggenwirtschaft entstanden ist. Dabei stachen die Bauern im Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts aus Wiesen, Heiden und Wäldern den durchwurzelten, humosen Oberboden heraus, die Plaggen, und streuten sie in ihre Ställe, um den Mist schließlich auf die nährstoffarmen Felder auszubringen. Der Acker wuchs und wuchs in die Höhe. Noch heute sind teilweise die „Eschkanten“ zu sehen. Der Plaggenesch wurde immer mächtiger, bis zu einem Meter dick, während die abgeplaggten Landschaften ohne schützende Pflanzendecke verkümmerten. Es bildeten sich karge Mondlandschaften, und der vom Wind wegfegte Sand türmte sich zu Dünen. Doch die plaggengedüngten Böden, ehemals so arm und ertragsschwach, wurden immer besser – ein formidabler Ackerstandort. Erst der Mineraldünger machte der Plackerei ein Ende. „Können wir uns das leisten, den seltenen Plaggenesch nun zu versiegeln?“, fragte Lutz Makowsky von der Hochschule Osnabrück angesichts der Ausdehnung der Siedlungen. Oft erinnerten dort Straßennamen wie An der Plagge, Hoher Esch oder Hinter dem Altacker an das einstige Vorkommen dieser schützwürdigen Böden in Niedersachsen. „Sie sind zwar nicht naturnah“, räumt Makowsky ein, „haben dafür aber eine Archivfunktion als Zeugnis alter Bewirtschaftungsformen.“ Und sind obendrein Klimaschützer: Mit etwa 100 bis 300 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar geben Plaggen-esche eine sehr gute CO2-Senke ab. Zum Vergleich: Im Holz von Waldbäumen sind 120 Tonnen Kohlenstoff und in Mooren 300 bis 700 Tonnen pro Hektar gespeichert. Die Plaggenesche in Niedersachsen umfassen laut Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) mit 185 000 ha knapp vier Prozent(3,8) der Landesfläche.

von Tim Bartels

> Ein Faltblatt zum Boden des Jahres: www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/4386.pdf
> Das LBEG präsentiert eine Wanderausstellung zum Plaggenesch: www.lbeg.niedersachsen.de

 

 

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