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Ausgabe 20/14 09. Oktober
 
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Ökopapier in Kommunen

Unter Deutschlands 123 Großstädten bekennen sich nur 17 Bürgermeister dazu, ihre amtliche Korrespondenz ausschließlich auf Ökopapier zu erledigen. „Unser Oberbürgermeister nutzt genauso wie wir alle Recyclingpapier, aber als einziger mit sehr hohem Weißegrad“, sagt Susanne Lender-Cassens, Umweltbürgermeisterin von Erlangen. Die Stadt ist 2014 die recyclingpapierfreundlichste der Republik. Der Titel wurde zum siebten Mal vergeben im Rahmen des neuen Papieratlas (s. UB 21/13, S. 10 u. 20/12, S. 6). Darin erhebt die Initiative Pro Recyclingpapier seit 2008 jährlich die Quoten in Verwaltung, Schulen und Hausdruckereien. Mit Erlangen gewann erstmals eine bayerische Kommune.

Die 105 000-Einwohner-Stadt ist zwar eine unter 16 Kommunen, die zu 100 Prozent Umweltpapier verwenden. Doch hat Erlangen zusätzlich maximale Sonderpunkte erhalten, u.a. fürs Bekenntnis des OB, konsequent Papier mit dem Blauen Engel zu nutzen; auch für Aktionen, mit denen öffentliche Einrichtungen dazu motiviert werden, es dem Stadtoberhaupt nachzutun. Der Papieratlas gilt seit seiner Erstausgabe für die Städte als Ansporn, den Einsatz von Recyclingpapier zu erhöhen. Deshalb wird auch der „Aufsteiger des Jahres“ gekürt. Jene Auszeichnung trägt 2014 die NRW-Stadt Herne, die ihre Quote vom vergangenen Jahr, 13 Prozent, nun auf mehr als 88 Prozent steigern konnte.

Wie kommt eine Stadt oder Gemeinde dazu, für Lehranstalten und Ämter nur noch Recyclingpapier, etwa das mit dem Umweltzeichen Blauer Engel, einzukaufen? „Es gab eine Anordnung“, sagt die Erlanger Bürgermeisterin Lender-Cassens. Ihre Stadt habe überdies Ende 2012 eine halbe Stelle für die ökologische Beschaffung besetzt. Auch in der Stadt Herne – seit 22 Jahren Haushaltssicherungsgemeinde – „musste vom Verwaltungsvorstand erst mal ein Beschluss her, möglichst nur noch Recyclingpapier zu verwenden“, berichtet Bürgermeister Erich Leichner. „Ohne Dienstanweisung geht es nicht“, sagt auch der Bonner Umweltdezernent Rüdiger Wagner. Die Bundesstadt kann zum fünften Mal in Folge höchste Ökopapierquoten vorweisen und wurde dafür extra geehrt.

Insgesamt legten 92 von 123 angefragten Städten ihre Daten zur Papierbeschaffung offen. Deren durchschnittliche Ökoquote beträgt 82 Prozent und liegt somit anderthalb Prozent höher als im Vorjahr (s. UB 21/13, S. 10). „Ich gehe davon aus“, sagt Initiativensprecher Michael Söffge, „dass sich die Quote noch steigern lässt.“ Muss auch, denn in Deutschlands Büros stagniert der Recyclingpapieranteil bei nur 14 Prozent. Kommunen sollten da Vorbilder sein. Ministerien aber auch. Doch Merkel & Co haben die 82-Prozent-Quote der 92 deutschen Großkommunen noch nicht erreicht. „Unser Ziel lautet 90 Prozent“, sagt Ulf Jäckel vom Bundesumweltministerium. Bislang nutzen aber erst 33 von rund 90 Bundesbehörden überwiegend Blauer-Engel-Papier.

Die Herstellung des damit gekennzeichneten Papiers spart bis zu 60 Prozent Energie und bis zu 70 Prozent Wasser gegenüber dem Frischfaserprodukt. Der Umweltengel garantiere zudem, dass die Qualität des Ökopapiers den Anforderungen modernster Drucker und Kopierer gerecht werde und archivierbar sei, sagt Söffge. Trotz mittlerweile enorm hoher Weißegrade wiesen Recyclingpapiere natürlich noch „eine leicht andere Färbung“ auf als Frischfaserpapiere. Und je niedriger der Weißegrad, desto preiswerter und umweltfreundlicher sei nun mal das Recyclingpapier. Doch was einst als „grau und hässlich“ abgetan wurde, will man mittlerweile in Behörden und Unternehmen zur Politur eines grünen Images vorzeigen können. Es soll demnach auch als Umweltpapier erkennbar sein.

von Tim Bartels

> www.papieratlas.de/
> Initiative Pro Recyclingpapier, c/o Nissen Consulting Sönke Nissen, Schumannstraße 17, 13507 Berlin, Fon 030/3151818-80, Fax -99, soenke.nissen@papiernetz.de, www.papiernetz.de

   

 

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