UmweltBriefe - Nachhaltiges Handeln in Kommunen
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Ausgabe November 2021
 
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Pfad zum neuen Nass – freiwillig

Nach Jahrhunderten des Verlustes von Mooren brauchen wir jetzt ein Jahrzehnt des engagierten Wiederaufbaus. Sagte die Geschäftsführerin des Umweltministeriums (BMU), Svenja Schulze, bei der Unterzeichnung der Bund-Länder-Vereinbarung. Mit dabei Julia Klöckner: „Gemeinsam mit den Bundesländern sorgen wir hier für eine enorme Einsparung von Emissionen“, bekundete die Gerade-noch-Landwirtschaftsministerin auf Abruf.
Moore bedecken in Deutschland nur fünf Prozent der Landesfläche, sind aber für den Klimaschutz genauso wichtig wie unsere Wälder, die ein Drittel der Staatsfläche ausmachen. Diese nur 18 000 km2 Moorböden vermögen so viel Kohlenstoff zu speichern wie der gesamte Wald. Der Grund dafür, warum Moore so viel Kohlenstoff speichern, liegt in ihrer dichten organischen Masse, dem Torf: Dieser spezielle Bodentyp bildet sich durch Pflanzenreste, die sich unter Luftabschluss nur sehr, sehr langsam zersetzen. Die Torfschicht wächst pro Jahr nur um einen halben bis einen Millimeter. Im weltweiten Durchschnitt enthalte ein Hektar Moor die gleiche Kohlenstoffmenge wie zwei Millionen Liter Diesel, sagt Moorforscher Hans Joosten vom Greifswald Moor Centrum. Der Klimawandel sei ohne diese natürlichen CO2-Speicher nicht in den Griff zu bekommen. Doch dafür müssten sie wieder nass werden. Mehr als 80 Prozent der Moorflächen hierzulande sind nämlich trockengelegt und werden landwirtschaftlich genutzt. Dabei setzen sie große Mengen des gespeicherten Kohlenstoffs als Klimagase CO2 und CH4 wieder frei: jährlich 53 Mio. t, was 6,7 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen entspricht.
Um diese Emissionen aus land- und forstwirtschaftlich genutzten Moorböden dauerhaft zu senken, wollen Bund und Ländern nun „zügig ambitionierte Maßnahmen“ ergreifen. Laut ihrer Zielvereinbarung soll der Torfabbau in Deutschland auslaufen, Anträge dazu würden künftig nicht mehr genehmigt. Vielmehr sollen Moorböden großflächig wiedervernässt werden. Trotz der angehobenen Wasserstände soll aber eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung weiterhin möglich sein. Moorforscher Joosten erfand dafür den Begriff „Paludikultur“ (nach lat. palus für Sumpf). Das Konzept sieht vor, wiedervernässte Moore für den Anbau von Schilf, Rohrkolben und Torfmoos zu nutzen.
Zur Finanzierung der Wiedervernässung stelle die Bundesregierung über den Energie- und Klimafonds bis 2025 rund 330 Mio.Euro zur Verfügung, heißt es aus dem BMU. Bundesländer und Kommunen sollen gemeinsam mit Landwirten entscheiden, wie die Renaturierung vor Ort organisiert werde. Alles beruhe auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Nach Auffassung Joostens lassen sich 90 Prozent der entwässerten Moore wiedervernässen und für die Paludikultur nutzen.
Kritik daran kommt aus Niedersachsen, dem Bundesland mit der größten Moorfläche (6 900 km2), das sich zunächst wegen „Prüfvorbehalten“ weigerte, die Zielvereinbarung überhaupt zu unterschreiben. Landwirte befürchteten, dass aus Gründen des Klimaschutzes ganze Moorregionen wiedervernässt werden könnten und damit den Bauern nicht mehr zur Verfügung stünden, heißt es aus dem Landvolkkreisverband Wesermarsch. Das käme einer „kalten Enteignung“ gleich, meint dessen Vorsitzender Karsten Padeken Padeken. „Strukturhilfen im großen Maßstab“ seien nötig, um den Menschen vor Ort eine Perspektive zu bieten.
Dabei finden Joosten und sein Greifswalder Team das Moorschutzziel, 5 Mio. t CO2-Äquivalente bis 2030 einsparen zu wollen, für eher „deutlich zu unambitioniert“.

von Tim Bartels

> https://www.bmu.de/download/bund-laender-zielvereinbarung-zum-moorbodenschutz
> Die Stellungnahme des Greifswald Moor Centrums zum Moorstrategie-Papier des Bundes gierung lesen Sie unter https://kurzelinks.de/c2ze
> Die Moorschutzstrategie (54 S.) des BMU finden Sie als PDF unter https://kurzelinks.de/6ik3
 
 

 

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