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Ausgabe 08/13, 25. April
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Umweltbriefe

Gegen die Plastiktütenflut helfen:

 

 

 

 

 

Einweg-Plastik
Kommt nicht in die Tüte

In jeder Minute gehen in Deutschland 10 000 Plastiktüten über die Ladentheken: von der dünnen Hemdchen-Tragehilfe, über Abreiß- und Grifflochbeutel bis zu dickwandigeren Schlaufentaschen. Eines haben alle gemeinsam: Sie werden in der Regel nur einmal und für kurze Zeit verwendet und dann weggeworfen. Folge: Weltweit werden Unmengen an Plastiktüten produziert, welche die Umwelt belasten und wertvolle Ressourcen verschwenden.

von Tim Bartels

Gegenwärtig bestehen die meisten Kunststofftüten aus fossilem Rohöl, was die Vorräte endlicher Rohstoffe weiter erschöpft. Die Kohlendioxid-(CO2-)Emissionen des globalen Jahresverbrauches von einer Billion Plastiktüten werden auf 60 Millionen Tonnen geschätzt. Plastiktüten aus dem Supermarkt tragen also auch zum Klimawandel bei. Hierzulande können Plastiktüten zwar für ein Recycling im „Gelben Sack“ oder in der „Gelben Tonne“ gesammelt werden. Allerdings landen nur wenige Tüten in der Wertstoffsammlung. Oft werden sie achtlos weggeworfen oder landen als Abfallsack im Hausmüll und werden verbrannt. In Europa wird nicht einmal jede zehnte Plastiktüte recycelt, wodurch die Rohstoffe bei neun von zehn Plastiktüten verloren gehen.

In Ländern und Städten außerhalb Europas wird restriktiv gegen diese Wegwerfware vorgegangen. Beispielsweise sind Plastiktüten in China, Mexiko, Australien, Bangladesch, Ruanda, San Francisco und Los Angeles komplett oder teilweise verboten. Innerhalb der EU ist ein striktes Plastiktütenverbot nicht möglich, weil das gegen die hiesige Verpackungsrichtlinie verstoßen würde.

Deshalb fordern Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und mittlerweile auch die Grünen eine Abgabe in Höhe von 22 Cent auf jede Einwegtragetasche. Das soll die Verbraucher motivieren, statt der Einwegplastiktüten umweltfreundliche Mehrwegtragetaschen zu nutzen. „Die Einführung einer Abgabe wird das Aufkommen umweltschädlicher Einwegtragetaschen radikal reduzieren und den Handel schnell dazu bewegen, dem Kunden attraktive Mehrwegtragetaschen anzubieten“, sagt DUH-Chef Jürgen Resch.

Vorbild dafür, wie wunderbar ein vom Verbraucher zu zahlender Aufpreis für eine Tragetasche wirken kann, ist Irland. Dort verschwendete bis 2002 jeder Bürger pro Jahr sage und schreibe 328 Wegwerftüten. Erst die Einführung einer Abgabe je Plastiktüte von 15 Cent, dann 22 Cent im Jahr 2007 und schließlich gar 44 Cent von 2009 an führte schließlich zur Reduktion des Plastiktütenkonsums um 90 Prozent: Heute werden in Irland pro Kopf und Jahr nur noch acht Stück verbraucht.

> Ein 16-seitiges Hintergundpapier der Deutschen Umwelthilfe erhalten Sie als PDF unter www.duh.de/uploads/media/120924_Einwegplastiktueten_Hintergrundpapier_LANG_240912_02.pdf
> Der NABU informiert über Plastik im Meer unter www.nabu.de/themen/meere/plastik/

Gegen die Plastiktütenflut helfen:

1. Mehrweg-Tragetaschen. Denn eine Tüte, die nicht hergestellt werden muss, spart Material und Energie ein. Dieser Grundsatz entspricht dem Vermeidungsansatz der Abfallhierarchie der europäischen Abfallrahmenrichtlinie und des deutschen Kreislaufwirtschaftsgesetzes: Abfälle sind in erster Linie zu vermeiden. Nicht vermeidbare Abfälle sollen in abnehmender Prioritätenfolge wiederverwendet, recycelt, verwertet oder beseitigt werden.

2. Wiederverwendbare Tragehilfen. Wer umweltbewusst einkaufen will, sollte eine Einkaufstasche, einen Rucksack oder einen Korb benutzen – gleichgültig, ob aus Baumwolle, Jute, Kunstfaser oder anderem Material. Denn: Mehrweg ist besser als Einweg. Aus ökologischer Sicht am besten schneidet die Mehrweg-Tragetasche aus recyceltem Kunststoff ab.

3. Keine biologisch abbaubaren Einweg-Plastiktüten. Denn diese hauptsächlich aus brasilianischem Zuckerrohr hergestellten Bio-Polyethylen-Tüten belasten das Klima: Durch die rohstoff- und energieintensive industrielle Agrarwirtschaft und Verpackungsherstellung entstehen entlang des Lebenszyklus der Tüte Klimagasemissionen in erheblichem Ausmaß. Überdies werden diese Tüten in der Regel weder recycelt noch kompostiert.

4. Keine Einweg-Papiertüten. Denn Tragetaschen aus Papier sind aus ökologischer Sicht nicht generell besser als solche aus Kunststoff, da für sie besonders lange und damit reißfeste Zellstofffasern notwendig sind, welche zuvor mit Chemikalien behandelt werden müssen. Papiertüten sind in der Regel schwerer als Plastiktüten, weil deren Wandstärke dicker sein muss, um dieselbe Reißfestigkeit zu erlangen. Dadurch muss zum einen mehr Material pro Tüte eingesetzt werden und zum anderen entstehen erhöhte Emissionen beim Transport.

5. Nur unter Umständen Recyclingpapier. Durch den Einsatz von Recyclingpapier und das abermalige Recycling nach der Verwendung kann die Umweltbilanz von Papiertüten verbessert werden. Ohne Anteile an Sekundärmaterial und ohne Recycling wird eine Papiertüte im Vergleich zu einer rohölbasierten Plastiktüte erst dann ökologisch interessant, wenn diese drei bis vier Mal wiederbenutzt wird.

> www.kommtnichtindietuete.de

Zahlen und Fakten

  • Laut dem Umweltbundesamt werden in Deutschland pro Kopf und Jahr 65 Plastiktüten benutzt. Das ist zwar viel weniger als der EU-Durchschnitt von 198 Stück.
  • Doch im Fall des absoluten Verbrauchs von hierzulande 5,3 Milliarden Plastiktüten im Jahr (oder 10 000 Tüten pro Minute) gehört Deutschland zur Spitzengruppe hinter Italien, Großbritannien und Spanien.
  • Nur ein Bruchteil der weltweit verbrauchten Plastiktüten von geschätzt einer Billion Stück wird verwertet, etwa 90 Prozent landen auf Mülldeponien, wo sie erst nach 100 bis 500 Jahren vollständig zerfallen.
  • Die Recyclingquote für in Gelben Säcken gesammelte Plastiktüten beträgt nach Schätzungen nicht mehr als 40 Prozent. Das Gros wird mit dem Restmüll verbrannt.
  • Auch die in der Biotonne entsorgten biologisch abbaubaren Tüten werden in der Regel aussortiert und verbrannt.
     

 

 
 
 

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