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Ausgabe 04/15 26. Februar
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Umweltbriefe

Foto: Aktionslogo des BDEW

 

Arzneimittel in der Umwelt
Nicht ins Klo damit!

In Deutschland werden jedes Jahr 38 000 Tonnen Medikamente verbraucht. Ein Teil der Wirkstoffe gelangt über Toilette und Spüle in den Wasserkreislauf, sodass Rückstände von Arzneimitteln heute in nahezu allen Oberflächengewässern, im Grundwasser und vereinzelt sogar im Trinkwasser nachgewiesen werden. Die Mengen in Flüssen sind teilweise schon so groß, dass sie Fische schädigen können. Selbst in geringen Konzentrationen bergen sie Risiken für die Umwelt.

von Tim Bartels

Wie man Arzneien korrekt entsorgt, wissen viele nicht. Eine Umfrage des Instituts für sozial-ökologische Forschung (ISOE) unter 2 000 Bürgern ergab, dass 47 Prozent der Deutschen flüssige Medikamentenreste in den Ausguss oder ins Klo schütten. Nur 15  Prozent der Verbraucher entsorgen ihre Medikamente korrekt über den Restmüll, der verbrannt wird. Den meisten ist nicht bewusst, dass sie auch mit der Einnahme ihrer Medizin bereits dazu beitragen, dass Arzneirückstände in die Umwelt gelangen. Denn was der Körper nicht aufnimmt, wird mit dem Urin oder Kot wieder ausgeschieden. So landen Spurenstoffe und Hormone aus Schmerzmitteln, Antibiotika, Blutdrucksenkern oder Psychopharmaka, die zu 80  Prozent aus häuslichen Abwässern stammen, in Grund- und Trinkwasser.

Doch nicht nur den meisten Verbrauchern, auch vielen Ärzten ist offenbar nicht klar, dass Arzneimittel über den Restmüll entsorgt werden sollen. Das erfuhr ISOE-Wissenschaftler Konrad Götz, als er zum Thema Arzneimittelwirkstoffe im Wasserkreislauf eine Fortbildungsveranstaltung für praktizierende Ärzte moderierte. Seine Erkenntnis: „Bei der Ausbildung von Medizinern spielt das kaum eine Rolle.“ Am verbraucherfreundlichsten wäre es, Medikamente wieder in den Apotheken abgeben zu dürfen, wie es bis 2009 erlaubt war. Dort würden sie professionell entsorgt.

Selbst bei korrekter Entsorgung der Altmedikamente bleiben Abbauprodukte von Pille & Co über Ausscheidungen im Wasser nachweisbar. Kläranlagen mit drei Reinigungsstufen sind nämlich nicht in der Lage, alle Arzneirückstände vollständig aus dem Abwasser zu entfernen. Ein vierte Stufe mit Aktivkohlefilter oder Ozonbehandlung könnte da Abhilfe schaffen. Doch 10 000 Kläranlagen damit auszustatten, ist sehr teuer. Arzneimittel im Trinkwasser bleiben also vorerst unvermeidbar. Pro Liter handelt es sich dabei bislang nur „um Bruchteile eines Mikrogramms“, so das Umweltbundesamt. Für den Menschen bestehe „dadurch nach Stand der Wissenschaft keine konkrete Gesundheitsgefahr“. Doch sollte Trinkwasser nicht grundsätzlich frei von Fremdstoffen sein?

> Über Arzneimittel hält das UBA folgendes Papier bereit: www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/01.08.2014_hintergrundpapier_arzneimittel_final_.pdf
> Den Wissensstand zum Thema
Arzneimittelwirkstoffe im Wasserkreislauf finden Sie unter https://de.scribd.com/doc/248550691/Arzneimittelwirkstoffe-im-Wasserkreislauf

1. Medikamente richtig entsorgen. Niemals über Toilette oder Spüle. Dies gilt auch für flüssige Arzneimittelreste wie Tropfen und Säfte. In den meisten Fällen können alte Medikamente in der grauen Restmülltonne entsorgt werden. Das ist mit wenig Aufwand verbunden, gleichzeitig aber umweltbewusst und sehr sicher. Viele Gemeinden bieten auch mobile Schadstoff-Sammelstellen oder Recyclinghöfe an, die Arzneimittel annehmen. Seit dem Jahr 2009 sind Apotheken nicht mehr dazu verpflichtet, Medikamentenreste zurückzunehmen. Einige bieten aber eine Rücknahme weiterhin auf freiwilliger Basis an. Fragen Sie nach!

2. Selbstmedikation vermeiden. Statt dessen, wenn es möglich und sinnvoll erscheint, wirkstofffreie Alternativen wie bewährte Hausmittel, Krankengymnastik oder Entspannungsübungen nutzen. Nehmen Sie also Medikamente nur, wenn es Ihr Arzt empfiehlt. Weniger Arzneienverbrauch bedeutet mehr Gewässerschutz.

3. Ärzte und Apotheker nach Alternativen befragen. Die sollten eigentlich von sich aus ihre Patienten und Kunden verstärkt darüber aufklären, wann sie auf Arzneimittel verzichten können, oder zumindest unter zwei gleich wirksamen Mitteln das umweltfreundlichere verschreiben.

4. Medikamentenmüll von vornherein vermeiden. Schon vor dem Arztbesuch die eigene Hausapotheke sichten, welche Tabletten und Tropfen noch vorrätig sind. So umgeht man eine weitere verschriebene Großpackung; muss Ihr Arzt zwingend ein Rezept schreiben, achten Sie darauf, dass es maßgeschneidert und nicht überdimensioniert ist. Fragen Sie (trotz anders lautendem Rezept) in der Apotheke auch nach Kleinpackungen.

5. Arzneimittel unnötig machen. Die beste Medizin ist natürlich ein Medikament, das gar nicht zur Anwendung kommen muss – indem man gesund bleibt. Wie das gehen soll? Achten Sie auf eine Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, viel Sport und ausreichend Schlaf.

> Welche Entsorgungsmöglichkeiten es in Ihrem Landkreis gibt: www.arzneimittelentsorgung.de

Arzneimittel-Verbrauch

Auf dem deutschen Medikamentenmarkt sind für uns Menschen nach Angaben des Umweltbundesamtes derzeit rund 2 300 verschiedene Wirkstoffe verfügbar.

  • Die Hälfte dieser Stoffe gilt als umweltrelevant. Als harmlos gelten nicht toxische und schnell abbaubare Substanzen wie traditionelle pflanzliche Mittel, Elektrolyte, Vitamine, Peptide, Aminosäuren sowie Mineralien.
  • Von den umweltrelevanten Wirksubstanzen wurden im Jahr 2012 in Deutschland insgesamt 8 120 t verbraucht – ein Anstieg um mehr als 20  Prozent in zehn Jahren.
  • Zwei Drittel dieser Menge umfassen nur 16 Wirkstoffe, von denen allein mehr als 80 t geschluckt werden: etwa Metformin, Ibuprofen, Metamizol, Paracetamol.
  • Die am häufigsten verschriebenen Arzneimittel sind Entzündungshemmer, Asthmamittel sowie Psychopharmaka.
     

 

 

 
 
 

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