UmweltBriefe -<wbr> Aus Kommunen und Forschung
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Ausgabe 04/15 26. Februar
 
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NO2 ist das Umweltgift No. 1

Das Umweltbundesamt (UBA) hat Stickstoffdioxid (NO2) als „den Schadstoff Nummer eins“ ausgemacht. Wie die Umweltbehörde berichtet, zeigten von mehr als 500 ausgewerteten Messstationen 2014 wieder mehr als die Hälfte an stark befahrenen Straßen Konzentrationen über dem Grenzwert von 40 µg/m3 an. Und mehr noch: „Wie die Erfahrung vergangener Jahre zeigt, wird sich dieser  Prozentsatz noch deutlich erhöhen, wenn im Mai weitere Daten von 124 Messstationen in die Statistik einfließen, die aus technischen Gründen noch nicht ausgewertet werden konnten“, teilt das UBA mit. Stickstoffdioxid, das vor allem aus Autoabgasen stammt, reizt Lunge und Augen, belastet Herz und Kreislauf und ist besonders für Asthmatiker gefährlich. Außerdem trägt es als Vorläuferstoff zur Bildung von bodennahem Ozon und sekundärem Feinstaub bei. „Um die Grenzwertüberschreitungen in den Griff zu bekommen, ist es wichtig, dass die neue Abgasnorm Euro sechs auch im realen Verkehr zu weniger Emissionen führt“, fordert UBA-Chefin Maria Krautzberger. Die Euro-6-Norm, die seit Beginn dieses Jahres für Neufahrzeuge gilt, senkt den Stickstoffoxid-Grenzwert von 180 auf 80 mg/km. Diesen Wert können viele Autobauer aber bislang nur im Labor garantieren, sagt Krautzberger.

Auf dieses Defizit weist auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in seinem aktuellen Stickstoff-Gutachten hin (s. UB 02/15, S. 1). Demnach bestehen laut einer neuen Studie mit transportablen Messgeräten „erhebliche Abweichungen zwischen dem Grenzwert und den unter realen Fahrbedingungen gemessenen Emissionen“ von 15 Diesel-PKW, die die Euro-6-Norm nach dem Testzyklus NEFZ erfüllen. „Nur bei einem Fahrzeug lagen die Emissionen im Bereich des Grenzwertes, bei den anderen lagen sie bis um das Siebenfache höher.“

Anders als im Fall der Rußpartikel, die mit einem nachgerüsteten Filter fast gänzlich reduziert werden können, ist den Stickoxiden aus alten Dieselfahrzeugen nicht so einfach beizukommen. Eine Technik, die die Emissionen zu 85  Prozent senkt (mit Hilfe einer Harnstofflösung, die Stickoxide zu Stickstoff und Wasser umwandelt), gibt es aber sehr wohl: Solche SRC-(Selective Catalytic Reduction)-Katalysatoren bauen Hersteller wie Volvo, Daimler, MAN oder Iveco bereits seit 2005 in ihre LKW ein. Dass Diesel-PKW noch nicht mit effizienter Stickstoffoxidminderungstechnik ausgestattet sind, liegt laut dem SRU daran, „dass erst spät strenge Abgasnormen eingeführt wurden“.

Doch selbst wenn sich auf Deutschlands Straßen Euro 6 durchgesetzt hat, scheint klar, dass der Grenzwert vielerorts noch überschritten wird – technische Mittel allein reichen da nicht aus. Wirklich helfen würde nur: erheblich weniger Autoverkehr. Zu Gunsten des Fuß- und Radverkehrs sowie des ÖPNV. Neue Straßenverkehrskonzepte müssten also her, welche die Anzahl der PKW und LKW in den Städten verringern. Und damit Länder und Kommunen neue und strengere Luftreinhaltepläne als bisher auch umsetzen können, fordern Umweltverbände eine kräftige Unterstützung des Bundes: Ähnlich wie beim Klimaschutz sei ein „nationales Aktionsprogramms Luftreinhaltung“ zu beschließen, das vor allem auf die Verringerung der Emissionen an der Quelle abziele. Den Kommunen stünden viele Möglichkeiten zur Verfügung: Geschwindigkeitsbegrenzungen, optimierte Ampelschaltungen, Ausweitung des Parkraummanagements und nicht zuletzt ein Mobilitätsmanagement, nach dem man über Alternativen zum eigenen Fahrzeug aufgeklärt wird.

von Tim Bartels

> www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/378/publikationen/hintergrund_luftqualitaet_2014.pdf
> www.russfrei-fuers-klima.de/themen/stickoxide/stellungnahme-zur-no2-grenzwert%C3%BCberschreitung/

     

 

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