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Ausgabe März 2017
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Umweltbriefe

Foto: Sabine Weiße/pixelio.de
Foto: epics/Fotolia,com

Zehn DGE-Regeln:

 

Ernährung
Gesund vor lecker

Kennen Sie die Nahrungspyramide? Auf der untersten Stufe befindet sich das Wichtigste: die Getränke, mindestens sechs Gläser Wasser oder Saftschorle sollte man pro Tag trinken. Da drüber zeigt die Pyramide eine breite Palette an Obst- und Gemüsesorten: Von beiden je zwei bis drei Portionen pro Tag wären gut für die Gesundheit. Auf der nächsten Stufe liegen Getreideprodukte, Reis oder Kartoffeln (vier Portionen). Eine Portion meint, was in eine Hand passt, von Stufe zu Stufe werden sie kleiner. Es folgen Milchprodukte (drei Portionen) und Fisch, Fleisch, Eier. Davon reichen je zwei bis drei Portionen – pro Woche. Von Fetten und Ölen benötigt man zwei Portionen täglich. Und an der Spitze thronen Süßigkeiten und Knabbereien: Die sollte man nur in geringem Maße genießen. Alles klar? Eigentlich ja, denn im Auftrag der Techniker Krankenkasse ergab eine Forsa-Umfrage im September 2016 unter 1 200 volljährigen Deutschen, dass drei Viertel der Befragten über gesunde Ernährung genug zu wissen glauben. Und „gesund zu essen“, ist 45 Prozent am wichtigsten. Das rangiert noch vor „Hauptsache lecker“ (41 Prozent). Doch warum leben die Deutschen dennoch ungesund?

von Tim Bartels

Zu fett, zu süß, zu salzig – die Menschen wollen sich gesünder ernähren, doch es fällt ihnen schwer. Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat eine Erklärung: „Die Kennzeichnung von Fett, Zucker und Salz ist eine Zumutung, der Großteil der Erfrischungsgetränke ist völlig überzuckert, und selbst Süßigkeiten werden wie gesunde Produkte beworben“, sagt Foodwatcher Oliver Huizinga.

Das Landwirtschaftsministerium setzt auf Aufklärung und Ernährungsbildung. Dessen Chef Christian Schmidt hat ein Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) ins Leben gerufen. Er plädiert für „Ernährung“ als Schulfach und lässt derzeit ein staatliches, aber freiwilliges Tierwohllabel entwickeln, das 2018 auf Fleisch und Wurst kleben könnte. „Wir wollen die Bürger durch bessere Information, Bildung und Motivation unterstützen, den Weg zu einem gesünderen Lebensstil zu finden“, verlautet Schmidt.

Doch Verbraucherschützern reicht das nicht aus. Vielmehr noch müssten Kinder und Jugendliche „vor manipulativer Werbung für ungesundes Essen gesetzlich geschützt werden, damit sie nicht von klein auf ungesundes Essverhalten lernen“, sagt Foodwatcher Huizinga. Seine Organisation fordert seit 2009 eine Nährwertkennzeichnung in Ampelfarben, „um im Supermarkt auf einen Blick Produkte vergleichen zu können“.

Außerdem, so der Nahrungsexperte, sollte – wie in Großbritannien 2018 der Fall – auch hierzulande eine Sonderabgabe für besonders zuckerreiche Getränke erhoben werden. Doch bislang scheitere all das am Widerstand der Lebensmittelindustrie.

> Der Ernährungsreport 2017 (15 S.) steht bereit unter www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/Ernaehrungsreport2017.pdf
> Den Infodienst des neuen Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) erreichen Sie unter www.aid.de
> Die Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse (64 S.) lesen Sie im PDF unter http://bit.ly/2k9SowZ

Zehn DGE-Regeln:

1. Lebensmittelvielfalt genießen. Essen Sie abwechslungsreich, angemessene Mengen und kombinieren Sie nährstoffreiche und energiearme Lebensmittel. Wählen Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel.

2. .Reichlich Getreide und Kartoffeln. Brot, Getreideflocken, Nudeln, Reis, am besten aus Vollkorn, sowie Kartoffeln enthalten Vitamine, Mineralstoffe sowie Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Mindestens 30 g Ballaststoffe, vor allem aus Vollkornprodukten, sollten es täglich sein.

3. .Gemüse und Obst – nimm fünf am Tag. Genießen Sie fünf Portionen Gemüse und Obst am Tag, möglichst frisch. Bevorzugen Sie saisonale Produkte.

4. Milch und Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal pro Woche, Fleisch, Wurst und Eier in Maßen. Im Rahmen einer vollwertigen Ernährung sollten Sie nicht mehr als 300 bis 600 g Fleisch und Wurst pro Woche essen.

5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel. Bevorzugen Sie pflanzliche Öle und Fette (z.B. Raps- und Sojaöl). Achten Sie auf unsichtbares Fett, das in Fleischerzeugnissen, Milchprodukten, Gebäck und Süßwaren sowie in Fastfood und Fertigprodukten enthalten ist. Insgesamt 60 bis 80 g Fett pro Tag reichen aus.

6. Zucker, Salz in Maßen. Verzehren Sie Zucker und Lebensmittel, die mit verschiedenen Zuckerarten (z.B. Glucosesirup) hergestellt wurden, nur gelegentlich. Würzen Sie mit Kräutern und Gewürzen und nur wenig Salz. Wenn Sie Salz verwenden, dann angereichert mit Jod und Fluorid.

7. Reichlich Flüssigkeit. Trinken Sie mindestens anderthalb Liter Flüssigkeit jeden Tag. Trinken Sie bevorzugt Wasser und nur selten Zuckergesüßtes.

8. Schonend zubereiten. Garen Sie die Lebensmittel bei möglichst niedrigen Temperaturen, soweit es geht kurz, mit wenig Wasser und wenig Fett.

9. Sich Zeit nehmen. Gönnen Sie sich eine Pause für Ihre Mahlzeiten, essen Sie nicht nebenbei. Lassen Sie sich Zeit, das fördert Ihr Sättigungsempfinden.

10. Sport treiben. Gute Ernährung und mind. 30 min. körperliche Bewegung am Tag gehören zusammen und helfen dabei, Ihr Gewicht zu regulieren.

> Die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) als PDF: https://www.dge.de/fileadmin/public/doc/fm/10-Regeln-der-DGE.pdf

Ernährungsreport 2017

Im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums hat Forsa 2016 rund 1 000 Bundesbürger ab 14 Jahren zu ihren Ess- und Einkaufsgewohnheiten befragt. Eine Auswahl:

  • 55 Prozent legen Wert auf einfache und schnelle Zubereitung; 53 Prozent essen am liebsten Fleischgerichte, 38 Prozent Nudeln und Pasta, 20 Prozent Gemüsegerichte.
  • 39 Prozent kochen täglich; bemerkenswert: neun von zehn 14- bis 18-Jährige kochen gern (89 Prozent), davon aber nur 20 Prozent jeden Tag; 57 Prozent nehmen sich zur Arbeit Essen von zu Hause mit.
  • 73 Prozent achten beim Einkauf vor allem auf regionale Herkunft der Produkte, 57 Prozent darauf, dass es preiswert ist.
  • 87 Prozent finden, dass das Tierwohl bei der Haltung verbessert werden müsse; 82 Prozent wollen mehr Transparenz auf den Produkten durch Siegel und Label; 88 Prozent sind bereit, mehr zu zahlen, wenn die Tierhaltung dafür verbessert würde.
     
 
 
 

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