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Ausgabe März 2017
 
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Landwirtschaft am Scheideweg

Die konventionelle Landwirtschaft behandele Boden „weitgehend wie ein Substrat und nicht wie einen lebendigen Organismus“, konstatiert die Präsidentin des Umweltbundesamtes (UBA), Maria Krautzberger. Überdüngung, zu viele Pestizide und der Kahlschlag von Hecken und Feldgehölzen führten nicht nur zur Gewässer- und Luftverschmutzung, sondern auch „zu einer dramatischen Abnahme der Artenvielfalt“. Doch die Landwirtschaft sei nicht nur Verursacherin von Umweltschäden, „sie ist auch Opfer“, schreibt Krautzberger im Vorwort des UBA-Themenhefts „Umweltschutz in der Landwirtschaft“ (s. a. S. 15).

Das sehen hiesige Landwirte genauso, sie fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. „Es wird immer über uns geredet, aber nicht mit uns“, sagen sie. Nun gibt es ein Projekt, in dem „nicht übereinander, sondern miteinander geredet wird“, verkündete im Januar Agrarminister Christian Schmidt im ungewohnten Schulterschluss mit Umweltministerin Barbara Hendricks. Ihr Baby, für das beide die Schirmherrschaft übernommen haben, heißt „Franz“. Das steht für „Für Ressourcen, Agrarwirtschaft & Naturschutz mit Zukunft“. Die Michael-Otto-Stiftung und der Bauernverband führen es gemeinsam durch.

Mit Franz „stellen wir uns der Problematik und wollen unsere Verantwortung für Tier und Natur wahrnehmen“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Bundesweit sollen zehn ausgewählte Demonstrationsbetriebe, „die intensiver wirtschaften und aus heutiger Sicht zukunftsfähig sind“, Maßnahmen umsetzen, die „die Biodiversität verbessern, ohne die Wirtschaftlichkeit der Betriebe zu verschlechtern“, so Rukwied. Zum geplanten Artenschutz zählen Blüh- und Brachestreifen, Lerchenfenster, Kiebitzinseln sowie Extensivgetreide und Extensivgrünland.

„Der Handlungsbedarf ist da am größten, wo die Landwirtschaft am intensivsten ist“, sagte Barbara Hendricks bei der Vorstellung von „Franz“. Darum sei es gut, wenn Naturschützer und Landwirte gemeinsam nach Lösungen suchten. Eine Woche später sagte die Umweltministerin auf einem Kongress in Berlin: „Die Landwirtschaft in Deutschland befindet sich in einer tiefen Krise.“ Es sei nicht nur die Sorge um die Umwelt, die immer mehr Menschen auf Distanz zur Agrarwirtschaft gehen lasse. „Sie zweifeln daran, dass das, was auf unseren Tellern landet, gesundheitlich wirklich unbedenklich ist.“

In der Öffentlichkeit ist der Bauer am Artenschwund und an den Umweltschäden schuld. Doch ist er wirklich für die Fehlentwicklung verantwortlich zu machen? „Er wendet Mittel an, die amtlich zugelassen sind, er hält die Tiere so, wie es ihm das Gesetz erlaubt“, gibt der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger zu bedenken. Es seien also die Rahmenbedingungen, die das zuließen.

Warum düngen die Bauern mehr, als ihre Pflanzen aufnehmen können? Die Hälfte der Landwirte dünge angemessen, sagte der Kieler Agrarwissenschaftler und Bundesregierungsberater Friedhelm Taube gegenüber der taz. „Aber die andere Hälfte düngt zu viel, zum Beispiel aus Unwissen oder Arbeitsüberlastung. Die erwarten häufig viel höhere Erträge, als sie dann tatsächlich ernten. So entstehen die immensen Überschüsse.“ Außerdem werde Überdüngung bisher nicht geahndet, sagt Taube, „so fehlt die Sensibilisierung für das rechte Maß“. Das soll nun eine Hoftorbilanz im neuen Düngerecht ändern (s. S. 15). Doch Schmidts Agrarministerium ziert sich noch, eine scharfe Düngekontrolle in das Gesetz festzuschreiben. Dessen Verabschiedung im Bundestag wurde kürzlich wieder verschoben.

von Tim Bartels

> www.umweltbundesamt.de/publikationen/umweltschutz-in-der-landwirtschaft
> www.franz-projekt.de/
> www.bmub.bund.de/presse/reden/detailansicht/artikel/rede-von-dr-barbara-hendricks-zur-landwirtschaft-mit-zukunft/
 

 

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