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Ausgabe 01/16 22. Januar
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Umweltbriefe

Foto:NicoHeLe/pixelio.de

Energiesparen im Haushalt, Teil 70
Schimmel in der Wohnung

Das ist ärgerlich für Mieter, Vermieter und Eigenheimbesitzer: Schimmelpilze können das Mauerwerk schädigen, das Wohnklima beeinträchtigen und die Gesundheit angreifen. Doch Schimmelbefall ist kein Schicksal. Wohnungen, die nicht durch Baumängel vorgeschädigt sind, lassen sich durch kleine Vorsichtsmaßnahmen schimmelfrei halten.

von Hartmut Netz

1. Schimmelpilz. Rund 130 000 Pilzarten soll es auf der Erde geben, in Europa gedeihen 200. Ihre Eigenschaft, organische Materie zu zersetzen, macht sie zu einem wichtigen Baustein der Natur. Auch der Mensch macht sich dies zunutze. Kein Komposthaufen funktioniert ohne Schimmelpilz, kein Camembert kommt ohne weißen Schimmelbelag in den Handel. Schimmelpilze vermehren sich über winzige Sporen, die sie in großen Mengen produzieren und die fürs bloße Auge unsichtbar in der Luft schweben. Die Konzentrationen liegen in Innenräumen bei 100 bis 1 000 Sporen pro Kubikmeter Luft, im Freien bei mehr als 10 000.

2. Lebensraum. Um zu wachsen, benötigen Schimmelpilze neben kühlen Temperaturen vor allem Wasser. Ohne Feuchtigkeit gedeiht kein Schimmel. Als Futter dienen den Pilzen organische Bestandteile in Klebern, Farben und Tapeten. Sie befallen Putz, Pressspan, Gipskarton und Holz, selbst mineralischen Baustoffen können sie übel zusetzen. Ideal finden gekeimte Sporen auch Blumenerde. Sogar auf Materialien, die selbst keine Nährstoffe abgeben, auf denen sich jedoch ein Biofilm abgesetzt hat, gedeihen sie, etwa auf Duschvorhängen oder Fensterrahmen. Haben die in der Luft schwebenden Sporen erstmal einen Platz zum Keimen gefunden, entwickeln sie sich zu Pilzegeflechten, die wiederum riesige Mengen frischer Sporen ausstoßen. Dabei wachsen die Pilzkulturen nicht nur an der Oberfläche, sondern durchdringen das Material – mit bloßem Abwischen ist es also nicht getan. Wird der Pilz nicht rechtzeitig beseitigt, zerstört er ganze Bauteile. Holzrahmen zersetzen sich, Möbelrückwände werden zerfressen.

3. Gesundheit. Zahlreiche Studien legen einen Zusammenhang zwischen Schimmelpilzen und Atemwegsbeschwerden nahe. Außerdem können eingeatmete Sporen und Stoffwechselprodukte des Pilzes beim Menschen allergische und reizende Reaktionen auslösen. Typische Symptome sind Niesen, Husten, Schnupfen, Kopfweh, gerötete Augen, Hautausschlag und Bindehautreizungen. Ab welcher Konzentration die Gesundheit leidet, ist bislang ungeklärt. Grenzwerte gibt es deshalb keine. Es gilt das Vorsorgeprinzip, wonach Schimmel in Innenräumen ein hygienisches Problem ist, das schnellstmöglich beseitigt werden muss. Gesunde Menschen, die in ihrer Wohnung Schimmel entdecken, müssen sich in der Regel jedoch keine Sorgen machen. Der Körper ist in der Lage, die Pilze abzuwehren. Anders ist das bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem: Für sie kann es bei Schimmelbefall daheim gefährlich werden.

4. Vorbeugen. In einer Wohnung ohne Baumängel kann man dem Schimmel vorbeugen: Kein Raum darf zu stark auskühlen. Es gilt die Faustregel: je kühler, desto schimmelgefährdeter. Genauso wichtig wie richtig Heizen ist ausreichend Lüften: je mehr Feuchtequellen es in der Wohnung gibt, desto öfter sollte man es tun. Ein idealer Nährboden für gekeimte Schimmelsporen ist Blumenerde. Am besten, man wechselt sie einmal pro Jahr und gießt seine Topfpflanzen eher sparsam, damit die Erde zwischendurch trocknen kann. Zu dicht an einer Außenwand stehende Schränke sollte man abrücken. Keller und Bad stehen bei der Schimmelvorbeugung unter besonderer Beobachtung, denn Kellerräume optimal zu lüften, ist äußerst schwierig, und das Bad ist von Haus aus der feuchteste Raum der Wohnung. Genau aus diesem Grunde muss es auch der wärmste sein. Zudem sollte nach jeder Dusche und jedem Wannenbad gründlich gelüftet werden. Wer im Bad eine geschlossene Duschkabine stehen hat, kann sollte nach dem Duschen die Kabinentür geöffnet lassen. Dann kann die feuchte Luft besser abziehen. WC-Spülkästen an der Wand sollten hin und wieder abmontiert und auf der Rückseite gereinigt werden. Ebenso die dahinter liegende Wandfläche. Grundsätzlich gilt: Bäder sollten nur im Spritzwasserbereich gefliest sein, denn Fliesen puffern keine Feuchtigkeit. Für die Decke und alle Wandflächen außerhalb des Spritzbereichs ist mineralischer Kalkputz mit entsprechendem Anstrich die bessere Wahl. Kalkputz wirkt feuchteregulierend und hemmt zudem das Pilzwachstum. Merke: Vorbeugen ist in jedem Fall besser als sanieren.

5. Baustoffe. Heute gängige Wandfarben, Tapeten und Verputzwerkstoffe enthalten große Mengen an Kunststoffen. Dadurch lassen sie sich zwar besser, schneller und billiger verarbeiten, ihr Wasserdampf-Aufnahmevermögen wird jedoch stark eingeschränkt. Früher gebräuchliche Baustoffe und Wandfarben wie Ton, Lehm, Holz, Kalkputz sowie Leim-, Kreide- und Kalkfarben nehmen dagegen viel Feuchtigkeit aus der Luft auf und geben sie beim Lüften wieder ab. Dadurch wirken sie feuchteregulierend. Insbesondere Farben und Putze aus Kalk sind in Feuchträumen eine gute Wahl, denn da diese Baustoffe stark alkalisch sind, wirken sie auf Schimmelpilze im Wortsinn ätzend.

6. Vermieter. Bei Schimmelbefall müssen Mieter sofort den Vermieter informieren. Tun sie das nicht, werden sie für den Schaden in die Pflicht genommen – egal, wer schuld ist. Sind bauliche Mängel, z.B. Wärmebrücken, Risse in der Fassade, ein undichtes Dach oder unzureichende Lüftungsmöglichkeiten die Ursache, muss der Vermieter diese Mängel beheben. Oft unterstellen Vermieter ihren Mietern jedoch, sie hätten zu wenig geheizt oder falsch gelüftet. Deshalb sollten Mieter mit angeschimmelten Wohnungen in Eigeninitiative nach den Ursachen für den Schimmelbefall forschen. Die Stiftung Warentest rät, Fotos zu machen und Messprotokolle mit Datum, Uhrzeit und Messpunkten anzufertigen. Falls Streit mit dem Vermieter droht, könnte es auch sinnvoll sein, im Beisein eines Zeugen zu messen und zusätzlich die eigenen Heiz- und Lüftungsgewohnheiten zu dokumentieren. Mieter, die die Miete mindern wollen, sollten sich zuvor unbedingt juristisch beraten lassen.

> Das Netzwerk Schimmelpilzberatung erreichen Sie unter www.umweltbundesamt.de/themen/gesundheit/umwelteinfluesse-auf-den-menschen/schimmel/netzwerk-schimmelpilzberatung
 

 
 
 

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