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Carsharing
Teile und fahre

Das Autoteilen wird hierzulande allmählich gesellschaftsfähig, die deutsche Carsharing-Branche wächst. „Alle Anbieter zusammen hatten Anfang des Jahres 2008 116000 Fahrberechtigte in ihrer Kundendatei“, heißt es im Jahresbericht des Bundesverbandes für Carsharing (BCS). Doch gemessen am Potenzial ist diese Zahl sehr bescheiden. „Anderthalb Millionen könnten es insgesamt sein in Städten mit mehr als 20000 Einwohnern“, schätzt BCS-Geschäftsführer Willi Loose.
In Bremen beispielsweise nutzen rund 4500 Autofahrer Carsharing, in Hannover sind es 3000. Wie wenig das noch ist, zeigt ein Vergleich mit der Schweiz: Zürich zählt 30000 Carsharer! Um dieses Niveau auch hierzulande zu erreichen, müssten noch sehr viel mehr Stationen als bislang an öffentlichen Plätzen präsent sein, sagt Loose. Carsharing-Fahrzeuge sollten qua Gesetz reservierte Parkplätze bekommen ähnlich den öffentlichen Taxi-Stellflächen. Tatsächlich liegt eine entsprechende Änderung der Straßenverkehrsordnung aus dem Bundesverkehrsministerium schon seit März 2007 vor. Der Gesetzentwurf hängt jedoch im Wirtschaftsministerium fest. Grund: Das Glos-Haus fordert eine verbindliche Definition fürs Autoteilen.
Um der Ressortabstimmung auf die Sprünge zu helfen, schlägt Bremens grüner Umweltsenator Reinhard Loske vor, die Carsharing-Kriterien des Blauen Engels als Parkplatzbedingung festzulegen. Das Umweltzeichen für Gemeinschaftsautos können Carsharing-Anbieter bereits seit 1999 nutzen (s. UKÖB 25-26/99, S.7). Einige tun das auch. Doch als Maß für öffentliche Stellflächen hält der Carsharingverband den Blauen Engel für nicht geeignet. Dessen Kriterien fürs Autoteilen seien zu technik-
orientiert, moniert BCS-Chef Loose, „während die viel wichtigere Komponente der durch Carsharing beeinflussten Verhaltensänderung der Nutzer weitgehend außen vor bleibt“. Zudem erfüllten aus der VCD-Autoumweltliste bloß 49 Modelle die für den Blauen Engel geforderten CO2- und Lärmemissionen, davon lediglich 24 aus deutscher Produktion. „Das schränkt die wirtschaftlichen Bedingungen der Betreiber sehr stark ein“, sagt Loose.
Das bislang fehlende Bundesrecht, um Carsharing-Stationen an öffentlichen Straßen auszuweisen, hat einige Stadtverwaltungen nicht daran gehindert, öffentlich reservierte Parkplätze für die Gemeinschaftsautos anzulegen: Auf der Grundlage beispielsweise des Berliner Straßengesetzes haben in der Hauptstadt mehrere Bezirke Stellplätze ausgewiesen. In Köln und Halle erlauben Sondernutzungsbescheide einen öffentlichen Parkraum, der dem Autoteilen vorbehalten ist.
Ebenfalls gemäß Sondernutzungsverordnung bringt es Bremen mittlerweile auf drei so genannte Mobilpunkte mit jeweils fünf Parkplätzen für Carsharing-Autos. Die fahren unter anderen auch die Mitarbeiter der Bremer Umweltbehörde. „Wir konnten dadurch sieben Dienstwagen abschaffen“, sagt Bremens Umweltsenator Reinhard Loske. Das Bremer Konzept gilt als besonders innovatives Verkehrsinstrument und hat sogar Interesse in China geweckt. „Es soll dort 2010 auf der Expo in Shanghai vorgestellt werden“, sagt Loske. Der ADAC hat sich vom Bremer Modell ebenfalls überzeugen lassen als „intelligente Lösung zur Luftreinhaltung, machbar, wirksam, bezahlbar“ und verlieh dafür vor zwei Jahren den Städte-Oscar.
Auch die Ämter in Münster nutzen Carsharing. Der Anbieter dort hat laut BCS-Jahresbericht mit der Stadt eine Vereinbarung getroffen. „An drei Ämterstandorten werden Carsharing-Fahrzeuge bereitgestellt, von denen einige unter der Woche tagsüber ausschließlich für die städtischen Bediensteten reserviert sind.“
In Freiburg bekundet die Stadtverwaltung ihren Willen zur Carsharing-Förderung im aktuellen Verkehrsentwicklungsplan. Darin heißt es, dass man Anbieter unterstützen werde „bei der Ausweisung von Parkflächen bei größeren Wohnungsbauvorhaben, auf städtischen Parkflächen und in Parkhäusern sowie im öffentlichen Straßenraum“ – wenn eine entsprechende gesetzliche Grundlage vorliegt.
von Tim Bartels
Den BCS-Jahresbericht 2007 erhalten Sie bei: Bundesverband CarSharing (BCS) e.V., Willi Loose Hausmannstr. 9-10, 30159 Hannover,
Fon 0511/7100474, Fax 0511/1690254,
info@carsharing.de, www.carsharing.de
Freie Hansestadt Bremen, Senator für Bau, Umwelt und Verkehr, Michael Glotz-Richter Ansgaritorstr. 2, 28195 Bremen
Fon 0421/361-6703, Fax 0421/361-10875,
michael.glotz-richter@umwelt.bremen.de
Ausgewählte Beispiele für moderne Carsharing-Anbieter in Deutschland erhalten Sie via PDF unter www.ecotopten.de/download/EcoTopTen_Bsp_modern_Car-Sharing.pdf
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