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Ausgabe 08/11, 28. April
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Umweltbriefe

 

 

Energiesparen im Haushalt, Teil 10
Der klimafreundliche Garten

Gärtnern ist cool: Spätestens mit US-Präsidentengattin Michelle Obama, die auf dem Gelände des Weißen Hauses einen Biogarten anlegte, hat sich das Umbrechen der eigenen Scholle zum globalen Trend ausgewachsen. Die Menschen haben den Spaß an der Gartenarbeit entdeckt. Angenehmes lässt sich dabei zwanglos mit Nützlichem verbinden: Selbstgezogenes Obst und Gemüse schmeckt nicht nur besser als Supermarktware, es reduziert auch LKW-Transporte und damit Energieverbrauch und CO2-Ausstoß. Richtig angepackt, gehen Freizeitspaß und Klimaschutz im eigenen Garten sogar eine – im wahrsten Sinne – fruchtbare Verbindung ein.

1. Boden. Die Bodenfruchtbarkeit hängt von Nährstoffkreislauf ab. Nährstoffe, die eine Pflanze für ihr Wachstum dem Boden entzieht, gibt sie zurück, wenn sie abstirbt. Wer erntet, unterbricht diesen Kreislauf; er entzieht dem Boden Nährstoffe und muss diese wieder zuführen, will er dauerhaft ernten. Es muss also Dünger her. Aber welcher?

2. Kunstdünger. Die gängigen Kunstdünger, auch Stickstoff- oder Mineraldünger genannt, bestehen hauptsächlich aus Stickstoff, Phosphor und Kalium. Ihre Produktion basiert auf Erdöl und ist höchst energieaufwendig: Um eine Tonne Düngestickstoff herzustellen, werden laut dem Kölner Katalyse-Umweltinstitut etwa 1,2 Tonnen Rohöl benötigt. Einmal im Boden, dünstet Kunstdünger Lachgas aus – ein Treibhaus-Gas, das 300-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Hinzu kommt, dass sich in Böden, die mit Kunstdünger behandelt werden, kein Humus anreichert. Auf längere Sicht ist Kunstdünger der Bodenfruchtbarkeit sogar abträglich, denn er schwächt die im Erdreich lebenden Mikroorganismen.

3. Naturdünger. Die Alternative zu Kunstdünger ist organischen Ursprungs und im Handel in Form von Hornspänen oder als getrockneter Kuhmist erhältlich. Im Gegensatz zum Kunstdünger, der ausschließlich den Pflanzen zugute kommt, versorgt organischer Dünger den Boden mit Nährstoffen und ermöglicht die Humusbildung: Humus wiederum bindet Kohlendioxid und dient damit nicht nur der Bodenfruchtbarkeit, sondern auch dem Klimaschutz. Auch Gründüngerpflanzen wie Lupinen, Wicken oder Senf erhöhen die Bodenfruchtbarkeit. Man sät sie aus, wenn das Beet abgeerntet ist, und gräbt sie im Frühjahr unter.

4. Kompost. Vollblutgärtner erzeugen ihren Dünger selbst, indem sie an einer geeigneten Stelle im Garten einen Komposthaufen anlegen. Die Ausgangsstoffe fallen in jedem Haushalt an: Kompostieren lassen sich fast alle organischen Abfälle aus Küche und Garten. Man stellt einen luftigen Lattenverschlag auf, in dem man das Material verrotten lässt. Mit Fäulnis hat das nichts zu tun. Guter Kompost stinkt nicht, sondern riecht nach Erde. Es entsteht ein natürlicher Dünger, der den Boden dauerhaft verbessert und gesund erhält.

5. Torf. Noch immer ist es in bundesdeutschen Kleingärten gängige Praxis, zur Bodenverbesserung Torf einzusetzen. Torf wird aus entwässerten Hochmooren gewonnen und ist ein knappes Gut, denn die Torfschicht im Moor wächst nur einen Millimeter pro Jahr; in 100 Jahren sind das gerade mal zehn Zentimeter. Da Moore große Mengen an Kohlendioxid speichern, die mit jedem gestochenen Torfballen wieder frei werden, beschleunigt der Torfeinsatz zudem den Klimawandel. Als klimaneutrale Alternative bietet sich Kompost an. Nachteile sind keine zu befürchten. Im Gegenteil: Kompost ist der Bodengesundheit weit zuträglicher als Torf oder torfhaltige Gartenerde.

6. Gießen. Es empfiehlt sich, im Garten auf Trinkwasser aus der Leitung zu verzichten und mit Regenwasser zu gießen. Das spart Energie für die Förderung und Aufbereitung von Grundwasser. Außerdem hat Regenwasser einen für Pflanzen idealen ph-Wert. Man zapft es mithilfe einer ins Regenfallrohr eingebauten Klappe, die das Wasser in eine Tonne leitet. Die Tonne sollte möglichst groß sein, denn im Zuge des Klimawandels werden die Sommer künftig heißer und trockener ausfallen. Mit 600 Liter Regenwasser lässt sich ein 100-Quadratmeter-Garten etwa vier Wochen lang bewässern.

7. Technopark. Die fortschreitende Elektrifizierung macht auch vor dem Garten nicht halt. Dabei sind nach Einschätzung des BUND elektrisch betriebene Geräte wie Häcksler, Mäher oder Vertikutierer meist überflüssig. Eine Rasenfläche von 200 m² lasse sich problemlos mit dem Handmäher stutzen, stellen die Umweltschützer dazu fest. Und: Der Griff zu Axt, Hacke oder Rechen spare nicht nur Strom, sondern auch den Gang ins Fitness-Studio.

8. Laubsauger. Nicht genug, dass sie Energie verschwenden und die Nachbarschaft verlärmen, Laubsauger schaden darüber hinaus auch dem Bodenleben. Denn mit dem Laub werden zugleich darin lebende Kleintiere wie Asseln, Käfer oder Spinnen abgesaugt. Laubsauger arbeiten mit Saugleistungen um die 15 m3 pro Minute und Blasgeschwindigkeiten bis zu 300 km/h. Insbesondere Geräte mit integriertem Häcksler ließen Kleinlebewesen keine Überlebenschancen, kritisiert der NABU.

9. Wasserspiele. Teichfontänen oder Wasserspeier lassen sich mit Sonnenenergie betreiben. Es gilt: Je stärker die Sonnenstrahlung, desto höher die Fontäne.

10. Kunstlicht. Im naturnahen Garten ist Kunstlicht tabu. Wer es beim Grillabend hell mag, stellt Solarleuchten auf, die sich tagsüber aufladen und nachts bis zu zwölf Stunden Licht spenden. Lampen mit geschlossenem Korpus verhindern, dass Insekten eindringen und verbrennen. Für die Hütte im Schrebergärten gibt es eigens entwickelte Insel-Solaranlagen, die umweltfreundliche Energie für Licht, Kühlschrank und TV erzeugen.

11. Heizpilz. Terrassenheizstrahler – egal ob mit Strom- oder Gasanschluss – sind Energiefresser. Das kostet: Im Schnitt seien 11 bis 15 Euro pro Betriebsstunde fällig, hat der TÜV Rheinland errechnet. Aus Sicht des Klimaschutzes sei der Betrieb von Heizstrahlern nicht vertretbar, ergänzt das Umweltbundesamt.

von Hartmut Netz

> Der BUND bietet einen Einkaufsführer für torffreie Erde an unter www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/naturschutz/20110217_naturschutz_einkaufsfuehrer_gartenerde.pdf
> Zu den Umweltwirkungen von Heizstrahlern ein UBA-Hintergrundpapier als PDF unter www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3735.pdf
> LESETIPP! Christa Müller (Hrsg.):
Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt. 352 S. 19,95 Euro. Oekom Verlag München 2011

 

     
 

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