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Ausgabe Mai 2018
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Diesel: neue NOx-Werte
Giftschleuder im Winter

Dass die zwischen Automobilindustrie und Bundesregierung vereinbarten Software-Updates für alte Diesel die Luft in belasteten Städten nicht reiner macht, sagte bereits das Umweltbundesamt 2017 voraus (UB Sep´17, S. 3). Konkret beweist das nun die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit ihrer erneuten Emissionskontrolle im vergangenen Winter (vgl. UB Apr´17, S. 3). Doch in diesem Fall liegt die Ursache im weiterhin geduldeten Abschalten der Abgasreinigung bei niedrigen Temperaturen.

Zum Beispiel beim VW Sharan 2.0 TDI: Dieser Diesel der Abgasstufe Euro 5 besitzt zwar einen NOx-Reduktionskatalysator (SCR-Kat), doch die Abgasmessung der DUH auf der Straße hatte bei über 20 °C Außentemperatur 409 mg NOx/km ergeben. Nach dem Software-Update schaffte der Sharan das Euro-5-Limit von 180 mg/km – allerdings nur bei 12 bis 19 °C. Lag die Außentemperatur wenig über null Grad, registrierte die DUH wieder 498 mg NOx/km. Die im Sharan serienmäßig vorhandene Abgasreinigung mit Harnstoff war bei dieser Wintertemperatur offenbar wieder abgeschaltet – trotz Update.

Neben dem VW Sharan haben Abgasexperte Axel Friedrich und sein Team vom Emissions-Kontroll-Institut für die DUH erneut 14 weitere Diesel-PKW der Eurostufen 5 und 6 im realen Fahrbetrieb gemessen. „Kein einziger hielt im gesundheitlich relevanten Winterhalbjahr den Grenzwert für NOx ein“, sagt DUH-Chef Jürgen Resch: „Wir wollen wissen, bei welcher Temperatur die Abgasreinigung deaktiviert ist.“ Das Kraftfahrtbundesamt (KBA) schweigt dazu und beruft sich auf „Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse“. Klären soll das nun ein Rechtsstreit mit der Bundesregierung um die Offenlegung aller Abschalteinrichtungen.

„Wir kommen um eine Hardware-Nachrüstung der Euro-5- und Euro-6-Diesel nicht herum“, sagt Resch. Die selektive katalytische Reduktion (SCR) der Stickoxide mit Harnstoff sei technisch kein Problem. Einige wenige Modelle bewiesen, dass es funktioniere. „Wieso sagt die Autoindustrie, das ginge nicht und sei zu teuer?“ wundert sich Axel Friedrich. Ein SCR-System kostet 800 bis 850 Euro. Friedrich schätzt die Gesamtkosten einer Nachrüstung auf 1 500 Euro pro Fahrzeug. Bloß, wer soll das bezahlen?

von Tim Bartels

> https://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Verkehr/dieselgate/EKI/180411_EKI-Bericht_Winter_2017-2018.pdf
> DUH, Andrea Kuper, Fon 030 2400867-20, presse@duh.de
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