Wildtier des Jahres 2009
Swinegel auf Landflucht

Erinnern Sie sich an das Märchen von Hase und Igel? In den vielen, vielen Wettläufen beider rannte sich der Hase die Seele aus dem Leib. Doch der Igel war immer schon da. Diese List hilft dem kleinen Stachelritter in der Wirklichkeit leider nicht weiter, sind doch seine Gegner hier nicht nur zu schnell, sondern auch aus Stahl und dazu noch Tonnen schwer.
„Das Schlimmste für den Igel ist das Auto“, sagt Werner Koep von der Schutzgemeinschaft Deutsches Wild. Koep zufolge wurden „auf 1 000 km Fernstraßen in einem Jahr 9 345 Igel totgefahren“. Das sei in Dänemark ermittelt worden. Und auch auf Deutschlands Pisten sollen jährlich viele tausende Igel unter die Räder kommen.
Um darauf aufmerksam zu machen, haben sich die deutschen Wildschützer für den Igel als Tier des Jahres 2009 entschieden. Ein weiterer Grund: Wie viele andere Arten zieht es auch Erinaceus europaeus, wie der Braunbrust-Igel unter Wissenschaftlern heißt, aus der ausgeräumten und eintönigen Landschaft zunehmend in menschliche Siedlungen. Denn dort findet er ausreichend Lebensraum, Nahrung und Unterschlupf. In Hausgärten und Parkanlagen gehören die 24 bis 28 Zentimeter langen „Swinegel“ daher zu den häufiger beobachteten Gästen, denen viele Menschen gerne helfen wollen – vor allem mit Fütterungen und Überwinterung im Haus. Doch Igelpflege daheim ist nur in ganz wenigen Ausnahmefällen gesetzlich erlaubt: Wenn etwa verletzte, kranke oder ver
waiste Tiere Hilfe brauchen (siehe Tipps). Denn Igel sind keine Haustiere und erst recht kein Spielzeug. Sie vertragen keine Abfälle vom Esstisch; Gemüse bekommt ihnen genausowenig wie Obst. Igel sind eben keine Vegetarier, sondern Kleintiervertilger mit breitem Beutespektrum: Sie fressen Laufkäfer, Larven von Nachtschmetterlingen und sonstige Insekten genauso wie Regen- und Ohrwürmer, Schnecken, Hundert- und Tausendfüßer sowie Spinnen.
Igel sind zwar dämmerungs- und nachtaktiv, doch streunen sie im beginnenden Herbst entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit auch tagsüber umher, um sich noch einige Fettreserven anzufressen für den bevorstehenden Winterschlaf. Den beginnen die Tiere bei anhaltenden Bodentemperaturen um null Grad und verlieren dann 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts. Als Winterquartier dienen beispielsweise Laub- und Reisighaufen.
Wacht der Igel im März oder April aus dem Winterschlaf auf, ist für ihn die Zeit gekommen, für Nachwuchs zu sorgen. Bis August bemüht er sich, Weibchen zu finden, mit denen er sich paaren kann – was oft erst nach Stunden gelingt. Ist es dann aber geschehen, bringt die Igelmutter nach einer Tragezeit von etwa fünf Wochen vier bis fünf Junge zur Welt. In der dritten Woche ihres Daseins öffnen die Igeljungen Augen und Ohren – und schließlich haben sich auch die vielen Stacheln ausgebildet, die sie zu ihrem Schutz brauchen.
von Tim Bartels
> Ein vierseitiges Merkblatt zum Igel erhalten Sie als PDF unter www.sdwi.de/download/pdf/merkblatt/sdw01_2009.pdf
> Ebenfalls vierseitig ist der Igelschutz-Ratgeber des NABU unter www.nabu.de/ratgeber/igel.pdf
> Schutzgemeinschaft Deutsches Wild (SDWi),
Werner Koep, Box 120371, 53045 Bonn,
Fon 0228/2692217, sdwi@intlawpol.org
Vorsicht, Stacheligel!
- Erinaceus europaeus hat am Rücken und an den Flanken 6 000 bis 8 000 Stacheln, die aus Keratin („Horn“) bestehen.
- Fühlt sich der Igel bedroht, so spannt er tausende kleiner Muskeln an, die jeden Stachel umgeben. Die Stirnstacheln zieht er dabei als erstes wie ein Visier über die Au
gen. Bei Gefahr können sich Igel in weniger als einer Sekunde mittels eines Ringmuskels zur Stachelkugel einrollen.
- Sowohl beim Einigeln als Schutz vor Gefahr als auch während des Winterschlafs wird das Tier zu einer fast unangreifbaren Stachel-Festung. In diesem Zustand kann ein Igel während des Winterschlafs wochenlang bewegungslos verharren
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So schützen Sie den Kulturfolger
1. Vorsicht bei der Gartenarbeit. Denn auf der Suche nach einem Winterquartier nisten sich Igel beispielsweise in Laub- und Reisighaufen ein. Diese sollten daher nicht ohne Umsetzen abgebrannt werden. Darüber hinaus ist beim Mähen Vorsicht angebracht. Auch in Holzstapeln können sich Igelnester befinden. Vorsicht gilt auch beim Beseitigen von Sträuchern und Mähen unter tief liegenden Zweigen.
2. Bauen Sie dem Igel einen Unterschlupf. Die Tiere bevorzugen neben Laub- und Reisighaufen auch Hecken, Hohlräume, Gartenhäuschen, Steinhaufen und alte Baumwurzeln. Wer den Igeln einen dauerhaften Platz bieten möchte, kann den Reisighaufen mit einer Basis aus Feldsteinen versehen. Man kann zusätzlich auch ein Häuschen aufstellen. Igelhäuschen kann man entweder selbst aus Holz bauen oder im Fachhandel oder Baumarkt kaufen. Dabei gilt: Einmal geschaffene Unterschlupfe während des Winters nicht mehr umsetzen.
3. Falls Sie einen hilflosen Igel finden, sollten Sie das Tier in einer Igelstation oder im Tierheim abgeben. Wer nicht weiter weiß, kann sich auch an den Verein „Pro Igel“ wenden (siehe unten).
4. Nehmen Sie nur kranke oder verletzte Tiere auf. Wer einen Igel in Obhut nimmt, verpflichtet sich dazu, das Tier fünf bis sechs Wochen lang täglich zu versorgen. Bieten Sie dem Igel Hunde- oder Katzenfutter an oder auch zerdrückte Bananen. Ungeeignet sind Speisereste und Milch. Zum Trinken reicht Wasser. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht, sollte man einen Tierarzt aufsuchen.
5. Setzen Sie das Tier wieder an der Fundstelle aus. Da Igel feste Reviere haben und standorttreu sind, sollte man die genesenen Tiere immer dort wieder in die Natur entlassen, wo man sie fand. Ausnahme: stark befahrene Straßen. Igel lieben verwilderte Gärten und Parks mit Gebüschen und Hecken, in denen sie sich verstecken können.
> Weitere Fragen beantwortet der
Verein Pro Igel unter www.pro-igel.de oder unter dessen Hotline 0180/5555-9551, Faxabruf 0180/5555-9554, info@pro-igel.de
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