Bundeswettbewerb „Schaufenster Elektromobilität“
Mehr als nur Elektroautos
Mitte Januar endete die Bewerbungsfrist für das „Schaufenster Elektromobilität“. Darum wetteifern Regionen, die Elektromobilität für potenzielle Nutzer wie auch die breite Öffentlichkeit konkret erfahrbar machen wollen. Sie sollen zeigen, was möglich ist – und als Pionier den Boden dafür bereiten, dass die Projekte später auch in anderen Kommunen umgesetzt werden können. Die Gewinner erhalten dafür bis 2015 drei Jahre lang finanzielle Unterstützung, wobei die Förderung von Forschung und Entwicklung der Elektromobilität im Mittelpunkt steht.
von Stefan Wozniak
23 Projekte bewarben sich um Zuschüsse von insgesamt 180 Mio. Euro, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Drei bis fünf Projekte sollen den Zuschlag erhalten, wobei die Anzahl von der Qualität der eingehenden Bewerbungen abhängt. Neben den Leistungen des Bundes stellen die Länder annähernd den gleichen Betrag zusätzlich bereit. Bis 2020 wollen Merkel & Co. die Einführung der Elektromobilität mit rund einer Milliarde Euro fördern.
Die schwarz-gelbe Regierung greift dabei auf die Erfahrungen der bestehenden acht Modellregionen Hamburg, Bremen/Oldenburg, Rhein-Ruhr (mit Aachen und Münster), Rhein-Main, Sachsen (mit Schwerpunkten Dresden und Leipzig), Stuttgart, München und Berlin/Potsdam zurück. Diese Regionen erhielten von 2009 bis 2011 insgesamt 130 Mio. Euro aus dem Konjunkturpaket II. Damit wurden mehr als 200 Einzelprojekte gefördert. Der Bund unterstützte in dieser Zeit den Ausbau und die Marktvorbereitung der Elektromobilität mit rund 500 Mio. Euro.
Eine neue urbane Mobilität
Elektromobilität in Städten und Ballungsräumen ist nichts Neues. Das zeigen Straßen- und U-Bahnen weltweit. Diese Liniennetze wurden häufig schon vor mehr als hundert Jahren in Betrieb genommen. Neu hingegen ist die Einbindung in ein intermodales Verkehrskonzept, das den Kunden verschiedene elektrisch betriebene Verkehrsmittel zur Verfügung stellt: Straßenbahnen, Elektrobusse und E-Autos sowie E-Roller, E-Bikes und Pedelecs.
Diese Verkehrsmittel sollen dem Kunden im Idealfall mit einer einzigen Mobilitätskarte zur Verfügung gestellt werden. Zum einen gewährleistet dies eine hohe Auslastung der Fahrzeuge. Zum anderen entlastet die Abkehr vom motorisierten Individualverkehr auf Basis fossiler Energien die Städte und die Umwelt gleichermaßen. Eine neue urbane Mobilität bedeutet folglich weit mehr als nur die Nutzung von Elektrofahrzeugen. In Deutschland waren bis Ende 2011 rund 4 400 Elektroautos zugelassen. Davon entfielen fünf Prozent auf private Käufer. Fast die Hälfte dieser Wagen wurde erst im Jahr 2011 angemeldet. Prognosen zufolge werden bis zum Jahr 2016 in Deutschland rund 100 000 Elektrofahrzeuge im Einsatz sein.
Ziel des Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität vom August 2009 ist es, Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu entwickeln und dafür zu sorgen, dass bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren. Bis 2030 sollen es dann sechs Millionen sein.
Route der Elektromobilität
Nordrhein-Westfalen beteiligt sich mit zwei Projekten am Schaufenster-Wettbewerb: mit der „Route der Elektromobilität“ sowie der Aachener „Campusbahn“. Das Projektvolumen beträgt insgesamt rund 150 Mio. Euro. Die Route der Elektromobilität führt mitten durch die Modellregion Rhein-Ruhr, dem größten Ballungsraum Deutschlands mit mehr als zehn Millionen Einwohnern. 50 aufeinander abgestimmte Projekte sind entlang der Route des Regionalexpress RE1 von Aachen über Köln und Düsseldorf bis nach Dortmund aufgereiht. Unter anderem sollen rund 2 000 Elektrofahrzeuge zum Einsatz kommen, 600 Ladesäulen sollen die 500 bereits vorhandenen ergänzen. Zudem ist geplant, die Steuerwagen des Regionalexpress RE1 mit Ladestationen auszurüsten, an denen E-Bikes und Pedelecs während der Zugfahrt geladen werden können. 175 Partner wollen sich an diesem Projekt beteiligen, darunter Unternehmen aus der Energiewirtschaft und der Autoindustrie sowie mehrere Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Für das Projekt „Campusbahn“ wurde ein emissionsfreies Mobilitätskonzept entwickelt, das Stadtbahn, Bus, PKW und Fahrrad miteinander verknüpft. Das Vorhaben gliedert sich in 16 Teilprojekte. Kern ist die Mehrfachnutzung der Infrastruktur, die für die geplante Stadtbahn benötigt wird. Die Unterwerke, die den Strom in die Oberleitung einspeisen sollen, dienen dabei gleichzeitig als Standort für ein Park-&-Ride-System, das ebenfalls auf Elektromobilität basiert. In der Aachener Innenstadt soll die Stadtbahn ohne Oberleitung fahren – hier wird Strom aus Akkus genutzt. Im Erfolgsfall will die Landesregierung NRW die Vorhaben in den Jahren 2012 bis 2015 zusätzlich mit 30 Mio. Euro unterstützen.
Die Schaufenster-Jury tagt derzeit, um eine Auswahl der Projekte zu treffen. Auf Grundlage dieser Empfehlungen wählen die Bundesministerien für Wirtschaft und Verkehr, die mit jeweils 67 Mio. Euro am Programm beteiligt sind, und die für Umwelt (25 Mio.) und Forschung (20 Mio.) die Schaufensterregionen aus. Das Ergebnis wird voraussichtlich Ende März mitgeteilt.
> Weitere Informationen zum Schaufenster Elektromobilität unter www.bmvbs.de/SharedDocs/DE/Artikel/UI/foerderbekanntmachung-schaufenster-elektromobilitaet.html
> LESENSWERT! W. Canzler, A. Knie: Einfach aufladen – Mit Elektromobilität in eine saubere Zukunft. 121 S.
9,95 Euro, oekom verlag, www.oekom.de
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