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Ausgabe 13-14/00  28.06.2000


 
 
 
Texte
Merk-WürdigesTitel

 

Klima – Der Mensch macht’s

    Eine neue Idee setzt sich nicht durch – ihre Gegner sterben irgendwann aus, befand Ludwig Boltzmann, der uns mit seiner Beschreibung der Entropie den unvermeidlichen Wärmetod prophezeite, über seine wissenschaftlichen Kontrahenten. Die Theorie, dass wir uns selbst früher als nötig in den Wärmetod stürzen, hat ebenfalls noch immer einige Gegner. Diesen Kimaskeptikern empfiehlt sich nun eine Studie des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Universität Frankfurt a.M., die starke Hinweise auf einen hohen menschengemachten Anteil der Klimaänderungen findet. Das Institut näherte sich der Frage nach dem anthropogenen Treibhauseffekt von einer neuen Seite. Anders als bisher wurden nicht Grundannahmen gewählt, darauf Modelle aufgebaut und diese so lange modifiziert, bis ihre Ergebnisse sich mit den Beobachtungen decken, sondern vielmehr ging das Institut von regionalen Messdaten der letzten 100 Jahre aus und versuchte, diese den klimarelevanten Faktoren und Akteuren prozentual zuzuordnen. 
     

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MerkwuerdigesMerkwürdiges

 

Lungenkrebs unter Tage 

    Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) startete Anfang Juni eine Studie, die den Zusammenhang zwischen rakioaktivem Radon und Lungenkrebs erforschen soll. Dafür werden 60000 ehemalige Bergarbeiter der Wismut untersucht. In den sächsisch-thüringischen Uranerz-Bergwerken waren die Arbeiter unter Tage erhöhter Strahlenbelastung durch das natürlich vorkommende radioaktive Edelgas Radon ausgesetzt. Bis heute sind etwa 7000 ehemalige Wismut-Arbeiter an Lungenkrebs erkrankt. 
     

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Naturschutz

 

Systeme gleichen sich an

    Der Aufbau von Verwertungssystemen für Verpackungsabfälle ist in den Mitgliedsstaaten der EU 1999 gut vorangekommen. Die Vorgaben der EU-Verpackungsrichtlinie für 2001 werden bereits in fast allen Fällen erreicht. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Verpackungskreislauf in Europa, die von der Bonner Consultinggesellschaft Intec seit 1992 jährlich veröffentlicht wird. Probleme macht noch der Kunststoff. Hier wird die Vorgabe von 15 Prozent stofflichem Recycling nur von Deutschland und Österreich übertroffen. Weiter etabliert hat sich der Grüne Punkt. Er dient inzwischen in acht EU-Staaten als Grundlage für die Finanzierung der Verwertungssysteme. 
     

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Kosten müssen zumutbar sein

    Das Bundesverfassungsgericht hat zwei Beschwerden Recht gegeben, in denen sich Grundstückseigentümer gegen die Übernahme hoher Sanierungskosten für nicht selbstverschuldete Altlasten zur Wehr setzten. Zwar sei es rechtens, dass die Eigentümer in solchen Fällen zur Sanierung herangezogen würden. Die Kosten müssten jedoch für die Betroffenen zumutbar sein und dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit entsprechen (1BvR 242/91 und 1BvR 315/99). Als Anhaltspunkt für die Verhältnismäßigkeit bezeichnete das Gericht den  Verkehrswert des Grundstücks nach der Sanierung. 
     

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BerichteEnergie

 

Brüsseler „Nein“ zur Ökostrom-Vergütung?

    Gegen die Ankündigung der EU-Wettbewerbshüter, das deutsche Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf Zulässigkeit abzuklopfen, läuft der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) Sturm. Das EEG, seit 1. April in Kraft, räumt erstmals grünem Strom Vorrang vor konventionell in Atom-, Kohle- oder Gaskraftwerken erzeugter Energie ein. EU-Generaldirektor Alexander Schaub unterstelle dem EEG den Charakter einer nicht genehmigungsfähigen Beihilfe für grüne Energie, empört sich BEE-Präsident Johannes Lackmann. Schaub habe bereits ein negatives Prüfergebnis angekündigt und die Stromwirtschaft aufgefordert, die im EEG festgeschriebenen Vergütungen für eingespeisten grünen Strom zu verweigern. 
     

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Festklammern an überkommenen Strukturen

    Massive Kritik am Schlussdokument des Energiedialogs 2000 und seinen 57 Leitlinien zur Energiepolitik haben der Umweltverband Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und die IG Metall geübt. Die ursprünglich mit diskutierenden Umweltverbände Greenpeace, World Wide Fund For Nature (WWF), Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der BUND hatten bereits am 10. Mai dem Energiedialog, zu dem Bundeswirtschaftsminister Werner Müller geladen hatte, enttäuscht den Rücken gekehrt (s. UKÖB 11/00, S.2).
     

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Mobilitaet

 

Gebäude bergen hohes CO2-Minderungspotenzial

    Von den Altbauten entsprechen etwa 80 Prozent nicht den Ansprüchen der Wärmeschutzverordnung von 1983. Hier ließen sich jährlich 20 bis 25 Mio. t CO2 einsparen, so Umweltminister Jürgen Trittin. Über drei Mio. Heizkessel seien älter als 20 Jahre und nach heutigen Maßstäben ineffizient. Ein breit angelegtes Maßnahmenbündel aus Ordnungsrecht, Fördermaßnahmen und anderen wirtschaftlichen Anreizen sowie entsprechende Aus- und Fortbildung sollen die Situation verbessern. Ein wichtiges Instrument ist die Energieeinsparverordnung, mit deren Inkrafttreten voraussichtlich im Jahr 2001 zu rechnen ist. Durch die Verordnung soll der Energiebedarf von Neubauten um ein weiteres Drittel gesenkt und der Niedrigenergiehausstandard flächendeckend eingeführt werden. 
     

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Landwirtschaft

 

FSC-Zertifikat auch für Kleinwaldbesitzer bezahlbar

    Um Fragen der Marktpotenziale und des Marketings für Holz aus nachhaltiger Produktion ging es im Mai bei der Fachtagung FSC-zertifiziertes Holz aus der Region. Veranstalter waren die Umweltbehörden von Hamburg und Schleswig-Holstein, die 1998 und 1999 als erste Bundesländer ihre Wälder nach den weltweit gültigen Kriterien des Forest Stewardship Council (FSC) zertifizieren ließen. Margret Brahms, Abteilungsleiterin für Naturschutz, Forstwirtschaft und Jagd im schleswig-holsteinischen Umweltministerium, betont, dass das FSC-Gütesiegel auch ein marktwirtschaftliches Instrument sei, das sich gegenüber anderen Zertifikaten wie dem weniger strengen PEFC (Pan-European Forest Certification) des Deutschen Forstwirtschaftsrates durchsetzen müsse. Um den Absatz zu fördern, wurden nach der Tagung unter anderem Kontakte mit Architekten und Handwerkskammer aufgenommen. Dass das FSC-Zertifikat auch für Besitzer kleinerer Waldgebiete bezahlbar ist, wollen die FSC-Arbeitsgruppe Deutschland e.V. und die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature Deutschland (WWF) in brandenburgischen Großschutzgebieten modellhaft zeigen. 
     

    Den gesamten Text lesen Sie in UKÖB-Ausgabe Nr. 13-14/00 auf Seite 10.
     
     
     
     

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Gutes Geld für gute Ideen 

    Sich in der Förderlandschaft zurechtzufinden, ist mühselig und arbeitsaufwendig – auch im Umweltschutz. Doch das soll sich in Nordrhein-Westfalen künftig ändern. Die Deutsche Ausgleichsbank und die Effizienz-Agentur wollen gemeinsam das Infoangebot zu Förderprogrammen im produktionsintegrierten Umweltschutz verbessern. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen soll sich das unüberschaubare Fördermittel-Dickicht lichten. Die Effizienz-Agentur NRW veranstaltet künftig zusammen mit den Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern in NRW Informations-Sprechtage, um den Wissens-Transfer zwischen Technologie-Anbietern im Umweltschutz und Unternehmen aus der Region zu erleichtern. 
     

    Den gesamten Text lesen Sie in UKÖB-Ausgabe Nr. 13-14/00 auf Seite 11.
     
     
     
     

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Deutschlandpolitik

 

Baut Fahrradstädte!

    Die Förderung des Radverkehrs ist – gemessen am Auto- und öffentlichen Verkehr – ungemein effizient: Bereits mit 400 DM pro Einwohner, verteilt beispielsweise über acht Jahre, also mit 50 DM pro Jahr, kann selbst eine Fahrrad-unfreundliche Kommune in eine „Fahrradstadt“ verwandelt werden. Tatsächlich geben aber die meisten deutschen Städte nicht mehr als fünf Mark pro Jahr und Einwohner aus. Zum Vergleich: Für den motorisierten Straßenverkehr etwa 60 bis 250 DM und für den ÖPNV etwa 110 bis 180 DM pro Jahr und Einwohner. Und so ist das Potential des Fahrradverkehrs in Deutschland mit rund elf Prozent bei weitem nicht ausgeschöpft. Es kann im nationalen Durchschnitt realistischerweise binnen zehn bis zwanzig Jahren durchaus verzwei- bis verdreifacht werden. Zu diesen Ergebnissen kommt auch der von der Bundesregierung im März 1999 vorgelegte erste Fahrradbericht. 
     
    Den gesamten Text lesen Sie in UKÖB-Ausgabe Nr. 13-14/00 auf Seite 12.
     
     

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kurz berichtet
     
    DÜSSELDORF – Gibt es Firmen, bei denen  Umweltschutz zur Unternehmensphilosophie gehört? Glaubt man der Agenda-Broschüre Düsseldorf, wirtschaften zumindest die darin vorgestellten 17 Betriebe der Stadt nachhaltig – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zu Großunternehmen wie Victoria oder Mannesmann. Des Weiteren macht das 40-Seiten-Heft die verschiedenen Umweltaudit-Zertifikate anschaulich. (tb)
     

    Die Broschüre erhalten Sie kostenlos unter der Faxnummer 0211/89-29062 • Stadtverwaltung Düsseldorf, Amt 13, Postfach 10 11 20, D-40002 Düsseldorf, Fon 0211/89-93131, Fax 0211/89-94179, E-mail presse@duesseldorf.de, Internet http://www.duesseldorf.de/presse
     
     

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    DRESDEN –  Die stadtmobil CarSharing GmbH wirbt derzeit mit dem Politikum „Benzinpreise“: CarSharing werde wegen der gestiegenen Spritkosten für diejenigen Verkehrsteilnehmer immer attraktiver, die nicht mehr als 10 000 km jährlich zurücklegen oder eine Ergänzung zum ÖPNV benötigen. stadtmobil muss es wissen. Als Marktführer betreibt das Unternehmen in 20 Städten 90 Stationen. In Dresden teilen sich schon 2 000 Nutzer qua 1 130 Rahmenverträge die 50 Stadtmobile – mit steigender Tendenz. Nach einer Umfrage haben 21 Prozent der Mitglieder auf ein geplantes Erstfahrzeug verzichtet, während acht Prozent den eigenen Pkw zu Gunsten des stadtmobil-Services abgeschafft haben.  (tb)
     

    stadtmobil CarSharing GmbH, Birger Holm, Wilsdrufferstr. 25, D-01067 Dresden, Fon 0351/875-1153, Fax 0351/8031525, E-mail stadtmobil@dvbag.de, Internet http://www.dvbag.de
     
     


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    Nach einer gemeinsamen Deklaration wollen die Länder Rumänien, Bulgarien, Moldawien und Ukraine die Flussauen entlang der unteren Donau schützen. Wie die Umweltorganisation WWF, die die grenzüberschreitende Initiative ins Rollen gebracht hat, berichtet, verpflichten sich die Regierungen damit, etwa 600 000 ha Naturräume, so weit nicht schon getan, auszuweisen und gegebenenfalls zu renaturieren. Laut einer WWF-Studie sind mehr als 80 Prozent der Auen im Donaueinzugsgebiet durch menschlichen Eingriff zerstört. Das rumänische Umweltministerium wünscht sich nun eine Kooperation mit weiteren Anrainerländern, so dass ein Grüner Korridor von den Alpen bis zum Schwarzen Meer entstehe. (tb)
     

    WWF-Auen-Institut, Anja Rech, Josefstr. 1, D-76437 Rastatt, Fon 07222/3807-14, Fax 07222/3807-99, E-mail rech@wwf.de, Internet http://www.wwf.de
     
     




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    Das Internet taugt mittlerweile auch als „elektronisches Einkaufsnetz– für frisches Obst und Gemüse. Das hat eine Analyse des Forschungsprojekts Fruchthandel an der Universität Duisburg ergeben. Der gesundheitsbewusste Surfer kann nämlich zurzeit bereits unter 37 Onlineshops wählen. Wer sich einen Überblick verschaffen oder seinen nächstgelegenen Internet-Obst- und Gemüseanbieter ermitteln möchte, kann alle Adressen und Beurteilungskriterien der Duisburger Studie im Internet unter http://www.uni-duisburg.de/fruchthandel abrufen. (tb)
     

    Gerhard-Mercator-Universität-Gesamthochschule Duisburg, Prof. Dr. Hans-Otto Schenk, Lotharstraße 65, D-47057 Duisburg, Fon 0203/379-2645, Fax 02 03/379-5436, E-mail h.-o.schenk@uni-duisburg.de, Internet http://www.uni-duisburg.de/Fruchthandel/
     
     




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Trends

 

Zeppeline überm Bodensee

    Als „Instrument eines bewusst langsamen und umweltschonenden Erlebnistourismus“ will der Internationale Bodensee-Verkehrsverein seine Luftschiffpläne verstanden wissen: guter Blick aus Panoramafenstern bei niedrigem Treibstoffverbrauch – künftig sei sogar Solarantrieb denkbar –, relativ geringer Flächenverbrauch dank kleiner Landeplätze. Kurioser Werbegag oder ernsthafte Technik für einen nachhaltigen Tourismus? Dieses und weitere Beispiele finden sich in einer Bestandsaufnahme „möglichst aller relevanten gegenwärtigen und zu erwartenden Techniken und Techniktrends im Bereich Tourismus“ im Auftrag des Deutschen Bundestags. Die Studie entstand am Berliner Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT).
     
     
                    von Yörn Kreib


    Den gesamten Text lesen Sie in UKÖB-Ausgabe Nr. 13-14/00 auf Seite 20.
     
     

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Perspektiven

 

Energieprojekte für die Wattenmeer-Inseln

    Über 30 Gemeinden niederländischer, deutscher und dänischer Nordseeinseln von Texel bis Fanö, bislang über Gaspipelines und Stromleitungen vom Festland versorgt, wollen künftig ihren gesamten Energiebedarf aus erneuerbaren Energien decken. „Für die erste Phase der Kooperation hat unser Dachverband das Projekt Reswad (Resourceable Energy Supply on the Wadenisland) in Brüssel eingereicht“, erläutert Ferdinand Verheggen, Geschäftsführer der Euregio „die Watten“: „Ziel des Projektes ist, den Verbrauch fossiler Brennstoffe zu senken und den Einsatz Erneuerbarer zu steigern.“ Dafür findet gegenwärtig eine energetische Bestandsaufnahme bei den verschiedenen Zielgruppen statt: Land- und Fischwirtschaft, Tourismus, Dienstleister, öffentliche Einrichtungen und Haushalte. 
     
     
                    von Günter Knackfuß
     
     
    Den gesamten Text lesen Sie in UKÖB-Ausgabe Nr. 13-14/00 auf Seite 22.
     
     

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Archiv

 

Geotope tragen zum ganzheitlichen Naturschutz bei

    Der Begriff „Geotop“ weist gegenüber dem Terminus „Biotop“ einen wesentlich geringeren Bekanntheitsgrad auf. Jedoch wurden in Deutschland noch weit vor den Biotopen gefährdete geologische Einzelbildungen oder ganze Landschaftsteile als Naturdenkmäler unter Schutz gestellt. Das erste überhaupt in Deutschland unter Naturschutz gestellte Objekt ist ein Geotop: der südlich von Bonn gelegene Drachenfels am Rhein, der im Jahr 1836 amtlich geschützt wurde. Der hellgrau bis grünliche Drachenfels-Trachyt, ein Vulkanit, fand in der ersten Bauphase des Kölner Doms von 1248 bis 1560 als Baustein Verwendung. Als die Bauarbeiten dann erst im Jahr 1842 wieder aufgenommen wurden, stand er wegen seines Schutzstatus nicht mehr zur Verfügung. 
     
     
                    von Thomas Wardenbach
     
     
    Den gesamten Text lesen Sie in UKÖB-Ausgabe Nr. 13-14/00 auf Seite 25.
     
     

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Buergerinfo

 

Warum Benzin nicht zu teuer ist

    Die Boulevardpresse hat mit dem „Benzin-Irrsinn“ ihr altes Lieblingsthema neu entdeckt. Die Opposition spürt das gesunde Volksempfinden auf und fordert die Aussetzung der Ökosteuerreform. Umfragen attestieren der rot-grünen Regierung, an ihrem unbeliebtesten Reformvorhaben festzuhalten.

    In dieser Stimmungslage tut es Not, dass Kommentatoren auf die Hauptgründe für den jüngsten Spritpreisschub hinweisen. Den Rohölpreis, der sich innerhalb eines Jahres mehr als verdreifacht hat, und den Wertverlust des Euro. Selbst Sprecher der Automobilindustrie mahnen zur Besonnenheit: „Die öffentliche Diskussion halte ich für sehr populistisch“, sagte Werner Pollmann, Umweltbevollmächtigter von Daimler-Chrysler, in der FAZ vom 13. Juni. Und er betonte: „Ich bin kein Feind der Ökosteuer, wir können damit leben. Sehr hohe Kosten für Treibstoffe können auch eine Quelle für Innovationen sein.“

    Warum Benzin gar nicht so teuer ist: Wenn auch erstmals teurer als zwei Mark, kann von den höchsten Preisen aller Zeiten nicht die Rede sein. Der reale Benzinpreis liegt heute um rund 40 Prozent unter dem von 1960. Musste ein Arbeiter 1960 rund 13 Minuten für einen Liter Benzin arbeiten, so sind es heute nur noch vier Minuten. Benzin ist zwischen 1960 und 2000 um 200 Prozent teurer geworden. Der Preis für Brot ist im selben Zeitraum um 500 Prozent gestiegen. Die Fahrpreise im öffentlichen Verkehr sind seit 1950 viermal so stark angestiegen wie der Benzinpreis. Wenn Benzin genauso stark verteuert worden wäre wie die Fahrkarten der Bahn, müssten wir heute an der Zapfsäule also 4,50 DM berappen.

    Warum die Benzinpreise weiter ansteigen müssen: Autofahren wird von der Allgemeinheit subventioniert. Müssten Autofahrer für alle von ihnen verursachten gesellschaftlichen Kosten aufkommen (Unfälle, Lärm, Luft- und Gewässerverschmutzung, Landschaftszerschneidung, Bodenbelastung etc.), würde der Sprit deutlich teurer werden. Nach einer aktuellen Untersuchung des Schweizer Infras-Instituts und der Universität Karlsruhe verursacht das Auto in Deutschland jährlich Schäden von 160 Milliarden Mark. Würden diese externen Kosten berücksichtigt, müsste der Liter Normalbenzin 4,05 DM kosten. Hinzu kommt, dass sowohl der Pkw-Bestand wie auch die spezifische Fahrleistung wachsen. Der durchschnittliche Spritverbrauch geht nur geringfügig zurück, weil der „Absatz dschungeltauglicher Fahrzeuge“ (Der Spiegel) weiter zunimmt.
    Warum Benzin teurer werden wird: Fossile Ressourcen sind endlich. Nach den vom Bundeswirtschaftsministerium veröffentlichten Energiedaten 1999 wird der letzte Tropfen Öl in 43 Jahren gefördert werden. Bei steigendem Weltenergieverbrauch und Bevölkerungswachstum könnten die Vorräte eher aufgebraucht sein. Die Förderung der verbleibenden Ressourcen wird unwirtschaftlich. Hinzu kommt, dass Erdöl sehr ungleich verteilt ist. Zwei Drittel der weltweiten Vorräte lagern in nur fünf Ländern (Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Vereinigte Arabische Emirate). Wenn vom Jahr 2005 an die Welterdölförderung insgesamt zu schrumpfen anfängt, erlangen diese Staaten sukzessive eine strategische Machtposition. Sie bilden ein Quasi-Kartell und können die Preise diktieren. Je eher Deutschland sich von Erdölimporten unabhängiger machen, desto besser ist dies aus volkswirtschaftlicher Sicht.

    Warum steigende Benzinpreise nicht zu Mehrkosten führen müssen: Selbst wenn der Benzinpreis schrittweise verdreifacht würde, wäre dies beim Umstieg von einem Auto mit einem 9-Liter-Verbrauch (deutscher Durchschnitt) auf eine 3-Liter-Karosserie nicht mit höheren Ausgaben für Benzin verbunden. Darüber hinaus bestehen erhebliche Einsparpotentiale: Frauen verbrauchen zwölf Prozent weniger Kraftstoff als Männer („femininer Gasfuß“). Warum ist eine solche verbrauchsarme Fahrweise nicht auch Männern möglich? Jede zweite Pkw-Fahrt findet im Entfernungsbereich von bis zu fünf Kilometern statt – können die eigenen Beine und das Fahrrad hier nicht eine Alternative sein? Bei einer Jahresfahrleistung unter 15000 km ist Car-Sharing wirtschaftlich – brauchen alle Großstadtbewohner ein eigenes Auto? Können für manche Fahrten nicht auch Fahrgemeinschaften gebildet werden?

    Warum der Benzinpreis auch weiter die Gemüter erhitzen wird: Das Auto dient nicht nur als Fortbewegungsmittel von A nach B, sondern nimmt vielfältige Funktionen wahr: als Ausdruck von Freiheit und Unabhängigkeit, für Gefühle von Macht, Männlichkeit und Sicherheit, zum Aggressionsabbau, zur Alltagsflucht und vor allem als Prestigeobjekt. Welcher Vorstandsvorsitzende fährt schon einen sparsamen Kleinwagen? Die Benzinpreisentwicklung wird also weiter die Gemüter erhitzen, spätestens wieder zum Jahresanfang 2001, 2002 und 2003, wenn Kraftstoffe wieder um jeweils sieben Pfennig verteuert werden. Doch die Regierung kann nicht aus der Ökosteuer aussteigen. Eine Abschaffung würde ihrem Ansehen ebenso schaden wie schon die Einführung – dann allerdings bei den eigenen Wählern.
     
     

    von Dr. Danyel Reiche

     

    Universität Hannover, Institut für Politische Wissenschaft, Dr. Danyel Reiche, Schneiderberg 50, D-30167 Hannover,Fon 0511/7000-877, E-mail dreiche947@aol.com• Reiche, Danyel; Krebs, Carsten: Der Einstieg in die Ökologische Steuerreform. Verlag Peter Lang. Frankfurt a.M. 1999. 338 S, broschur. 69 DM. ISBN 3-631-35561-013-14/00 auf Seite 30.
     
     

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Ökologisch in die Schule

    Öko in der Schule ist out. Ob Hefte aus Altpapier oder Radierer aus Naturkautschuk – die Nachfrage für umweltfreundliche Schulmaterialien ist stark zurückgegangen. Um diesen Trend zu stoppen und den umweltverträglichen Schul- Utensilien zu einem besseren Image zu verhelfen, startete der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Kooperation mit der Karstadt Warenhaus AG und dem Umweltbundesamt (UBA) das Projekt Ökologischer Schulanfang.

    Öko-Einfluss noch vor der Einschulung

    Die Kampagne zum Schulbeginn im Sommer 2000 ist ein Novum: Erstmals werden bundesweit Grundschulen und die Eltern von ABC-Schützen direkt angesprochen und aktiv mit einbezogen. „Wir bieten Alternativen zu den herkömmlichen Schulmaterialien“, sagt Eleni Kaounis vom BUND. „Wir wollen Schüler, Eltern und Schulen darüber aufklären, nach welchen Kriterien sie auswählen können, um die Nachfrage für ökologische Produkte zu steigern und die umweltfreundliche Herstellung zu fördern.“ Die gemeinsame Aktion ist gezielt an Eltern und Lehrer von Schulanfängern gerichtet. Vor der Einschulung – also noch bevor Kinder ein ausgeprägtes Markenbewusstsein entwickelt haben – könne noch gezielt Einfluss auf den Kauf der Schulmaterialien genommen werden, so Kaounis. Hauptmedium ist eine Broschüre mit Informationen zu umweltfreundlichen Schulmaterialien, einem sicheren Schulweg und einer gesunden Ernährung. Die Kampagne startete bereits Ende März mit dem Beginn der ersten Einschulungsgespräche an den Grundschulen. Die Ortsgruppen des BUND und 190 Filialen von Karstadt, Hertie und Wertheim haben mittlerweile an mehrere tausend Grundschulen Einlegemappen mit der Broschüre 1. Klasse Schulsachen für die Eltern der ABC-Schützen übergeben. Interessierten Schulen werden Schautafeln und Poster für den Umweltunterricht zur Verfügung gestellt. In Mecklenburg-Vorpommern und einigen Landkreisen in Hessen wird die Kampagne von den Schulämtern unterstützt. In Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz ist eine landesweite Verteilung der Materialien durch die Kultusministerien in Planung.
    Die Themen der Informationsbroschüre reichen vom Federmäppchen aus pflanzlich gegerbtem Leder über nachfüllbare Kolbenfüllfederhalter bis zum gesunden Pausenbrot. Doch die ökologischen Produkte sind nicht unbedingt eindeutig zu erkennen. „Nicht alle Materialien sind mit dem Blauen Engel oder anderen geschützten Zeichen versehen“, sagt Bernd Schott, zuständig für Qualitätssicherung und Umweltschutz bei der Karstadt Warenhaus AG. „Daher ist es uns wichtig, den Eltern Entscheidungshilfen und Kriterien an die Hand zu geben, anhand derer sie sich für ökologische Alternativen im Schreibwarensortiment entscheiden können.“ So finden in der Broschüre die Aspekte Ressourcenverbrauch, Langlebigkeit, Schadstoffgehalt und Bedarfsgerechtigkeit besondere Berücksichtigung. Auch mit dem Vorurteil, dass alle umweltfreundlichen Schulmaterialien grau und langweilig sind, will Schott aufräumen. Viele der vorgestellten Utensilien seien nicht nur attraktiv, sondern auch praktisch und gesundheitlich unbedenklich. So gibt es Radierer auf Kautschukbasis inzwischen auch in farbiger Ausführung. Und Holzlineale mit Metallkante sind langlebiger und umweltfreundlicher als Lineale aus Kunststoff. 

    Kolbenfüller statt Einweg-Kuli

    Neben der Broschüre des BUND bietet die Stiftung Naturschutz Berlin in dem Heft Grünstift special 21 detaillierte Informationen über umweltverträgliche Schulmaterialien mit Testergebnissen der verschiedenen Markenprodukte sowie Adressen der Anbieter. Eine weitere Aktion planen die Kooperationspartner zum Schulanfang.
    Vierzehn Tage vor und nach dem Schulbeginn in den jeweiligen Bundesländern organisiert die Karstadt Warenhaus AG einen Ökologischen Schulmarkt in ihren Filialen. Während der Sonderpräsentation werden umweltverträgliche Artikel gezielt hervorgehoben und zusammen an einem gesonderten Ort präsentiert. Für die Aktion wurde das Sortiment von Fachreferenten des BUND auf die Umweltverträglichkeit der Materialien untersucht und um weitere Produkte ergänzt. Doch das Image der ökologisch und gesundheitlich unbedenklichen Schulmaterialien zu verbessern, sei nicht einfach, so Schott. Nachdem die Nachfrage in den vergangenen Jahren immer weiter zurückging, reagierte die Branche prompt und sortierte Hefte aus Altpapier wie Holzstifte reihenweise aus dem Regal. Für die Karstadt Warenhaus AG ist die Sonderaktion daher gleichzeitig ein Test: Nur die Produkte, die auf dem Ökologischen Schulmarkt gut über den Ladentisch wandern, werden wohl künftig ihren festen Platz im Sortiment behaupten können. 
     

    von Daniela Knapp

     

    Broschüre, Schautafel und die Unterlagen für den Kinderwettbewerb erhalten sie kostenlos bei: Bund für Umwelt und Naturschutz, Eleni Kaounis, Am Köllnischen Park 1, D-10179 Berlin, Fon 030/2758640, Fax 030/27586440, E-mail eleni.kaounis@bund.net, Internet http://www.bund.net • oder bei: Karstadt Warenhaus AG, Qualitätssicherung-Umweltschutz, Bernd Schott, Theodor-Althoff-Straße 2, D-45133 Essen, Fon 0201/7275251, Fax 0201/7274790, E-mail qsumwelt@karstadt.de • sowie bei: Umweltbundesamt, Magdalena Hölters-Freier, Postfach 330022, D-14191 Berlin, Fon 030/89032180, Fax 030/89032910, E-mail magdalena.hoelters-freier@uba.de • Die Informationsbroschüre Grünstift special 21 erhalten Sie für 2,50 DM bei: Stiftung Naturschutz Berlin, Johann-Wolfgang Landsberg-Becher, Potsdamer Straße 68, D-10785 Berlin, Fon 030/030-26 39 40, Fax 030/2615277, E-mail snb@mail.blinx.de

     
     
     
     
     
     
     

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