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Ausgabe Januar 2019
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Atommüll
Größtes Umweltproblem

In spätestens vier Jahren wird das letzte Atomkraftwerk in Deutschland dicht machen. Viele halten das Thema schon für erledigt. „Doch aus dem Atommüll kann niemand aussteigen“, heißt es in Einblicke. Das 12-seitige Infoblatt, das zuvor in 32 Ausgaben von der niedersächsischen Atommülldeponie Asse II nahe Wolfenbüttel berichtete, widmet sich künftig der Suche nach einem Endlager. Dort sollen irgendwann einmal mehr als 15 000 t hochradioaktiver Müll versenkt werden, also möglichst von der Erdoberfläche verschwinden. Denn derzeit befindet sich der strahlende Abfall immer noch in überirdischen Zwischenlagern. Und noch ist Deutschland nach Frankreich der zweitgrößte Atomstromproduzent in der EU.

„Entsprechend groß sind auch weiterhin die Risiken“, sagt der Sprecher der Anti-AKW-Organisation Ausgestrahlt, Jochen Stay. „Nur weil der Ausstieg beschlossen ist, bedeutet dies nicht, dass Atomkraftwerke weniger gefährlich werden“, betont Stay. Im Gegenteil. „Je älter die Anlagen werden, um so anfälliger wird die Technik.“ Im vergangenen Jahr sei es in deutschen AKW zu 79 meldepflichtigen Ereignissen gekommen, bilanziert die Organisation. An der Spitze stand demnach mit zehn Meldungen das AKW Brokdorf in Schleswig-Holstein, gefolgt von Grohnde (Niedersachen) und Brunsbüttel (Schleswig-Holstein) mit jeweils acht, Philippsburg 2 (Baden-Württemberg) mit sieben und den Reaktoren Emsland (Niedersachsen) und Isar 2 (Bayern) mit jeweils sechs meldepflichtigen Ereignissen.

Häufige Ursache seien altersbedingte Mängel und menschliches Versagen, sagt Stay. Oft seien Notkühlsysteme betroffen, die bei einem schweren Störfall die Kernschmelze verhindern sollen. Teilweise, so Stay weiter, komme es auch zu Serienfehlern, „wenn mehrere gleiche Bauteile betroffen sind, die eigentlich dazu da sind, sich gegenseitig bei Störungen zu ersetzen“. Reparaturen oder Ursachenklärung finde erst Monate später statt, damit der Reaktor nicht extra heruntergefahren werden müsse, kritisiert der Atomkraftgegner. „Manchmal ist es einfach nur Glück, dass ein defektes Bauteil erkannt wird, bevor es zu einem radioaktiven Leck kommt.“ Die Zahl der meldepflichtigen Ereignisse des vergangenen Jahres sei auf dem höchstem Stand seit dem Jahr 2011.

Voraussichtlich Ende des Jahres 2022 wird das letzte AKW vom Netz gehen. Dann wird noch mehr Atommüll entstanden sein, der sicher irgendwo hinmuss. Bis zum Jahr 2031 soll ein Endlagerstandort feststehen. Für Deutschlands größtes Umweltproblem.

von Tim Bartels

> Die Einblicke der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) stehen zum Download bereit unter https://www.bge.de/de/multimedia/publikationen/einblicke/ (dort auch ein Sammelband mit allen erschienenen Ausgaben der Asse Einblicke)
 

 
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