UmweltBriefe - Nachhaltiges Handeln in Kommunen
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Ausgabe Januar 2022
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Atomausstieg
Unendliche Zwischenlager

Mit den Atomkraftwerken Brokdorf, Grohnde und Gundremmingen C sind Ende des vergangenen Jahres drei weitere AKWs in Deutschland vom Netz gegangen. Ende dieses Jahres 2022 machen dann auch die letzten drei noch laufenden Reaktoren Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 dicht. Atomkraftgegner sind erleichtert, die Grünen begrüßen den Sicherheitsgewinn. Dagegen trauern Gegner des Atomausstiegs einer CO2-armen Technologie nach.

Das AKW Gundremmingen als letzter Siedewasserreaktor Deutschlands stand wegen sicherheitstechnischer Mängel unter besonders kritischer Beobachtung. Da nur mit einem Kühlwasserkreislauf ausgestattet, sei strahlende Flüssigkeit aus dem Sicherheitsbehälter ausgelaufen, betont Baden-Württembergs BUND-Landeschefin Sylvia Pilarsky-Grosch. Schon kleinere Rohrbrüche hätten radioaktiven Dampf freisetzen können. Was beim AKW Neckarwestheim 2 noch ein Jahr ein Risiko darstellt: Dort sind seit 2017 bei jeder der jährlichen Revisionen Risse an den Rohren der Dampferzeuger gefunden worden.
In Gundremmingen und Neckarwestheim werde der Atommüll noch über Jahre stehen bleiben, betont Pilarsky-Grosch: „Da der Bau eines Endlagers noch in weiter Ferne liegt, muss der Müll deutlich länger als genehmigt an den Zwischenlagerstandorten in ganz Deutschland stehen.“ Darüber wie auch über den Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage in Gronau und der Brennelementefabrik in Lingen verliere der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung kein Wort, bemängelt der BUND. „Sie werden auch über das Jahr 2022 hinaus europäische Schrott-AKW in Grenznähe mit Brennelementen versorgen“, beklagt dessen Vorsitzender Olaf Bandt.
Auch im schleswig-holsteinischen AKW Brokdorf wird der Müll noch über mehrere Jahrzehnte in den Hallen stehen. „Diese Art der Zwischenlagerung ist bereits jetzt ein Sicherheitsrisiko“, so Bandt. Es fehle an Reparatur- und Inspektionsmöglichkeiten, der Schutz gegen Terroranschläge sei unzureichend (s. UB Nov´17, S. 14 und Okt´21, S. 10). „Der Atommüll wird noch mindestens 40 000 Generationen belasten“, sagt die 24-Jährige Alexandra Struck, Bundesvorstand der BUNDjugend. Schon deshalb sei die Atomkraft keine umweltverträgliche Energieerzeugung. „Sie ist zudem zu teuer und zu langsam, um echte Lösungen für die Klimakrise zu liefern“, so Struck.
Vielmehr bringt das Abschalten gerade der norddeutschen Atommeiler mehr Klimaschutz. Darauf weist Erneuerbarenexperte Hans-Josef Fell hin. Seiner Auffassung nach blockierten die nördlichen AKW in vielen windstarken Zeiten die Netze für deren Abtransport in den windärmeren Süden. „Alleine die Abschaltung dieser drei Kraftwerke wird nun mehr erneuerbare Energien in die Netze fließen lassen und zudem mehr Netzkapazitäten zur Aufnahme neuer Windstrommengen frei machen.“

von Tim Bartels

> Eine Übersichtskarte der bestehenden und abgeschalteten AKW in Deutschland bietet der BUND unter https://www.bund.net/themen/atomkraft/akw-in-deutschland/karte-der-akws/

 

 
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