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Ausgabe Juni 2018
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Umweltbriefe

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Foto: aapsky/Fotolia.com

Tipps zum Ökoreisen

 

Fünf Mal weniger CO2, Teil 1
Fliegen ist Klimasünde

Fliegen muss teurer werden. Wir machen das Auto zum Umwelt-Buhmann und vergessen die katastrophalen Auswirkungen durch den Flugverkehr.“ Diese beiden Sätze hat keine Geringere gesagt als Angela Merkel, nur war sie bei diesem Interview noch nicht Kanzlerin, sondern Umweltministerin. Es war 1995. Doch 23 Jahre später gilt das Gesagte immer noch.

Der Flugverkehr ist der Klimakiller Nr. 1. Ein Düsenjet ist das mit Abstand klimaschädlichste Verkehrsmittel, pro Passagier mehr als fünf Mal so belastend wie ein ICE im Fernverkehr und doppelt so klimawirksam wie ein PKW. Emissionen, die in großer Höhe abgegeben werden, sind besonders klimaschädlich. Hinzu kommt, dass der Flugverkehr auch durch Emission von Stickoxiden, Rußpartikeln und Wasserdampf zur Verschärfung des Klimawandels beiträgt (s. Kasten). Auf fünf Prozent wird sein Anteil an der Erderwärmung geschätzt. In Brüssel wird um jedes Gramm CO2 gefeilscht, das Autos nicht mehr ausstoßen dürfen. Doch der Luftverkehr ist, was den Klimaschutz angeht, so gut wie unreguliert. Das Paris-Abkommen der Vereinten Nationen – die sich völkerrechtlich verbindlich zum Ziel bekennen, die Erwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen – haben den internationalen Flugverkehr völlig ausgeklammert. Das Schlimmste daran: Er wächst und wächst. Um fünf Prozent jährlich. „Rund um den Globus sind stets mehr als 2 000 Boeing 737 gleichzeitig in der Luft. Alle zwei Sekunden startet oder landet irgendwo auf der Welt ein Airbus A320“, berichtete kürzlich die FAZ. Wachse die Branche unverändert so weiter, sei eine Vervierfachung des CO2-Ausstoßes bis 2050 zu erwarten, errechnete die Denkfabrik Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft.

Kann Fliegen überhaupt „grün“ sein? Lässt sich Fliegen nachhaltig gestalten? Ehrgeizig sind zumindest die Ziele von Airbus. Im Interview mit der FAS sagte dessen Chef Tom Enders 2016: „Bis 2050 senken wir den CO2-Ausstoß um 75 Prozent und die Stickoxide um 90 Prozent.“ Wie das? „Fast unsere kompletten Forschungsgelder geben wir für Ökoeffizienz aus“, so Enders weiter. Also wie? Kerosin aus nachwachsenden Algen könnte die CO2-Bilanz des Fliegens verbessern. Andererseits stellen sich Techniker „hybrides Fliegen“ vor. Das geht so: Beim Start und im Steigflug treibt Strom aus Gasturbine und Batterie die Schaufelblätter für den Schub an. Oben übernimmt die Turbine die Antriebsleistung, im Sinkflug wird sie ausgeschaltet. Das Flugzeug ist nun ein Segelflieger, der Strom für die Bordsysteme kommt aus der Batterie. Für die Landung wird die Gasturbine wieder gestartet und liefert Schub fürs Antriebssystem, um bei Bedarf das elektrische Landen zu unterstützen. Doch wann wird das soweit sein? Enders: „Wir wollen in zwanzig Jahren ein Flugzeug mit rund 90 bis 100 Sitzen elektrisch fliegen lassen, geräuschlos und emissionsfrei. Zugegeben, hier liegt noch viel Arbeit vor uns.“

von Tim Bartels

> Über die Zukunft des Flugverkehrs berichtet die Publikation Oben – Ihr Flugbegleiter: www.boell.de/de/2016/06/01/oben-ihr-flugbegleiter
> Ein Klasssiker unter den Ratgebern, aber aus Mangel an Fortschritten leider noch brandaktuell: Reimer/Staud: Wir Klimaretter. So ist die Wende noch zu schaffen. 317 S. 8,95 Euro; Kiepenheuer und Witsch

Tipps zum Ökoreisen

1. CO2-Kompensation. Meint: Wenn Sie freiwillig einen Zusatzbeitrag zum Ticket zahlen, je nach Treibhausgasmenge, die Ihr Flug verursacht. Anbieter wie Myclimate.org oder Atmosfair.de nutzen das Geld für Klimaschutzprojekte, z.B. für eine Solarküche in Indien. Doch dieser Ablass fürs schlechte Gewissen kann das Klimaproblem nicht lösen, räumt Atmosfair ein. Weil sich so „nichts an den eigentlichen CO2-Quellen ändert“, sei es immer nur „die zweitbeste Lösung“. Es liegt bei Ihnen, vorher zu prüfen: Kann ich eine Flugdienstreise z.B. durch eine Videokonferenz ersetzen oder einen langen Urlaub statt zwei kürzere Flugtrips buchen?

2. Kurze Anreisewege. In den meisten Fällen treibt Urlauber das Bedürfnis nach Abschalten, Anregung, Sichverwöhnenlassen oder seelischem Ausgleich. Dafür gibt es Angebote, für die man nicht weit fahren muss. Auch eine Wanderung oder die Radtour, die an der eigenen Haustür startet, kann zum tollen Erlebnis werden.

3. Vor Ort die Region emissionsfrei per Rad oder zu Fuß erkunden. Die meisten Regionen haben ihr Potenzial erkannt und weisen immer neue Radrouten oder Wanderwege aus. Einen Überblick über Angebote in ganz Deutschland geben www.wanderbares-deutschland.de oder www.fahrradreisen.de, die Radreisedatenbank.

4. Öffentlicher Verkehr und Carsharing vor Ort. Wer ohne Auto Urlaub macht, sollte eine Region mit gutem öffentlichen Nahverkehr wählen oder eine Unterkunft, die über das nötige Wissen zu den Verkehrsverbindungen verfügt, Räder verleiht oder Mitglied beim lokalen Carsharingverein ist. Regionen, die Urlauber ohne Auto explizit unterstützen, sind die Alpine Pearls, Alpengemeinden mit gutem Nahverkehrsangebot (www.alpine-pearls.com).

5. Beratung zur Bus-, Bahn- und Fähranreise. Klimaschonende Unterkünfte und Erklärungen zu den Ökosiegeln im Tourismus finden Sie unter www.wirsindanderswo.de. Faustregeln zum nachhaltigen Reisen gibt es bei fairunterwegs.org.

6. Mallorca ohne Flug. Nur die Wenigsten wissen, dass die Balearen-Insel auch klimafreundlich mit Bahn und Fähre erreichbar ist. Aus Deutschland führen die Verbindungen über Paris oder Südfrankreich: mit dem Thalys von Köln aus oder mit dem ICE oder TGV aus Frankfurt. Ab Paris geht es dann mit dem TGV nach Barcelona, wo man die Fähre der Linien Balearia, Iscomar oder Acciona nach Mallorca besteigt.

Klimawirkung des Flugverkehrs

Die Wissenschaftt hat festgestellt, dass beim Fliegen folgende Emissionen und Prozesse einen erwärmenden Effekt haben:

  • das reine Kohlendioxid (CO2), das beim Verbrennen von Kerosin entsteht:
  • die Bildung des treibhauswirksamen Gases Ozon infolge von Stickoxid-Emissionen (NOx);
  • die Emission von Wasserdampf
  • die Absorption der Sonnenstrahlung durch die emittierten Rußpartikel
  • die Bildung von Kondensstreifen:
  • die Bildung von Zirruswolken aus Eis.


Abkühlend dagegen wirken:

  • der Abbau des Klimagases Methan (CH4), auch infolge der NOx-Emissionen;
  • die Reflektion der Sonnenstrahlung durch die emittierten Sulfataerosole.
    > Quelle: Umweltbundesamt

 
 
 

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