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Ausgabe April 2019
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Umweltbriefe

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Foto: FH Münster/ Pressestelle

So trennen
Sie richtig:

 

Bioabfall
Zu kostbar für den Restmüll

Seit 2015 müssen Städte und Gemeinden den Bürgern anbieten, ihren Biomüll zu trennen. So will es das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Es verpflichtet in § 11 Abs. 1 Abfallerzeuger und öffentliche Entsorger dazu, Garten-, Park- und Landschaftspflegeabfälle, aber auch Nahrungs- und Essensreste zu sammeln. Damit muss auch den Haushalten ermöglicht werden, Bioabfälle getrennt von Restmüll und gelber Tonne entsorgen zu können, vorzugsweise durch eine Biotonne vor der Haustür
.

Obst- und Gemüsereste wie auch Eierschalen und Teebeutel sind dankbarer Müll, denn sie lassen sich relativ unproblematisch verwerten. Und das ist wichtig. Denn dieser Bioabfall ist notwendig zur Herstellung organischer Düngemittel wie zum Beispiel Kompost. Diesen verwenden Gärtner und Landwirte, um ihre Böden mit Nährstoffen zu versorgen und die Bodenstruktur zu verbessern. Dadurch lassen sich mineralische Düngemittel einsparen. Hierdurch sowie durch Vergärung zu Biogas, aus dem schließlich Strom oder Wärme entsteht, wird ein Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz geleistet.

Das größte Klimaschutzpotenzial entfaltet sich, wenn energiereiches Biogut wie Küchenabfälle zunächst vergoren wird und später die flüssigen und festen Reststoffe zu Dünger und Kompost aufbereitet werden. Für sortenreinen Grünschnitt oder Landschaftspflegeabfälle sind andere stoffliche Verwertungswege sinnvoller, genauso wie für Altfette aus Küchen. Sind die Bioabfälle getrennt gesammelt worden, muss im Einzelfall das beste, also hochwertigste Behandlungsverfahren ausgewählt werden.

Doch damit Kompost den Boden tatsächlich verbessert, muss er hochwertig sein. Und das ist er nur, wenn möglichst wenige Fremdstoffe enthalten sind. Wie sortenrein der Bioabfall ihrer Stadt ist, haben Studierende und Wissenschaftler der FH Münster im Auftrag der Abfallwirtschaftsbetriebe dort unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Es landet zu viel Plastik in der Biotonne. Gefunden hat das FH-Team auch Störendes wie Glas und Steine, doch größtenteils eben Folien und Verpackungen.

„Viele verpacken die organischen Abfälle in Plastiktüten und geben sie erst dann in die Tonne“, sagt Thomas Bohmert vom Institut für Infrastruktur, Wasser, Ressourcen, Umwelt (Iwaru). „Das ist zwar bequem, aber falsch.“ Die Folien machen bei der biologischen Behandlung Probleme und beeinträchtigen die Qualität der Komposte. Das gilt übrigens auch für jene Kunststoffe, die als biologisch abbaubar gekennzeichnet sind.

„Biobasierte Kunststofftüten brauchen viel länger für den Abbau als die Lebensmittelabfälle“, sagt Iwaru-Projektleiterin Sabine Flamme. „Sie müssen genauso wie normale Plastiktüten aufwändig aussortiert werden.“ Das erhöht die Behandlungskosten, und die Effizienz der Bioabfallverwertung verringert sich. „Biologisch abbaubare Kunststoffe sollten deshalb nicht in die Biotonne“, erklärt Flamme. „Stattdessen den Bioabfall lieber in Papiertüten sammeln oder in Zeitungspapier einwickeln.“ Beides darf in den Biomüll.

von Tim Bartels

> https://www.fh-muenster.de/iwaru
> https://www.aktion-biotonne-deutschland.de
> Richtig kompostieren – Tipps und Hinweise gibt das Umweltbundesamt (UBA) in seiner Kompostfibel: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/kompostfibel

So läuft der CO2-Ausgleich::

1. Was darf in die Biotonne? Hat Ihre Kommune eine Vergärungs- oder eine Kompostieranlage? Bei letzterer hat sich viel getan, so dass diese mittlerweile auch gekochte Speisereste aufnehmen können. Fragen Sie Ihre Abfallberatung. In jedem Fall dürfen Gartenabfälle und Eierschalen in die Biotonne, genauso wie Kaffeefilter, Teebeutel, Federn und Haare sowie Zeitungspapier zum Umwickeln von Speiseresten.

2. Was auf keinen Fall? Z.B. behandelte Holzreste, Möbelholz, Medikamente, Hundekot, Tampons, Binden, Windeln, Staubsaugerbeutel, Kehricht, Lederreste und Textilien dürfen nicht in den Biomüll.

3. Aus der Schüssel direkt in die Tonne. Wer in seiner Küche den Biomüll zunächst in einem kleinem Behälter sammelt, kann am Boden ein wenig Küchen- oder Zeitungspapier einlegen, das die Feuchte aufnimmt. Den Behälter regelmäßig säubern sowie darauf achten, dass er verschließbar ist. Wer Speisereste in Zeitungspapier einwickelt, verhindert das Auftreten von Maden.

4. Biotonne und Kompost widersprechen sich nicht, sie ergänzen sich. Für heimische Beete reichen wenige Liter Kompost. Knochen, Fleischreste und Zitrusfrüchte eignen sich dafür nicht, können aber in großen Vergärungs- oder Kompostanlagen verwertet werden. Gerade Küchenabfälle lassen sich besonders gut zu Biogas vergären.

5. Restmülltonne kann kleiner werden. Knapp die Hälfte des Inhalts der Restmülltonne besteht aus Bioabfällen. Bei richtiger Trennung kann der Abholrhythmus oder die Größe der schwarzen Tonne gesenkt werden. Biogas oder Kompost kann der Landkreis selbst nutzen oder verkaufen.

6. Sie besitzen noch keine Biotonne? Ob Ihre Stadt oder Gemeinde die Biotonne anbietet und wie Sie sie bestellen können, erfahren Sie beim Landratsamt, im Umweltamt und bei den Abfallberatungen.

7. Kommune ohne Biotonne. Der Nabu informiert im Faltblatt für Kommunen über die Wichtigkeit des Wertschöpfungsprozesses von Bioabfall. Diese Publikation könnten Sie dem Gemeinderat weiterleiten: https://www.nabu-shop.de/rohstoff-bioabfall-wertschopfung-statt-beseitigung.html

8. Praxistipps geben. Wer weiß, warum der Bioabfall getrennt wird und warum man damit einen wichtigen Beitrag für die Umwelt leistet, trennt mit Überzeugung.

> Weitere Fragen zu Biomüll beantwortet der Nabu unter https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/abfall-und-recycling/bioabfall/23033.html

 

 
   

Haushaltsnahe Biotonne

In Deutschland werden 4,6 Mio. t Bioabfall getrennt erfasst und verwertet. Es könnte mehr als das Doppelte sein, wenn alle mitmachten. Der Bundesdurchschnitt liegt bei derzeit 59 g pro Einwohner und Jahr.

  • Laut dem NABU (Stand August 2018) bieten mittlerweile 330 von 402 Landkreisen ihren Haushalten eine Biotonne an. Dies ist in 72 Kreisen noch nicht der Fall:
  • 14 der 72 Kreise haben aber eine Getrenntsammlung für die Zukunft zugesichert;
  • 10 Kreise haben eine Biotonne nur in ausgewählten Gemeinden oder Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte;
  • 26 Kreise bieten bisher nur eine zentrale Sammelstelle an, zu der man seine Bioabfälle transportieren muss;
  • In 22 Kreisen gibt es für Bioabfälle nach wie vor keinerlei Getrenntsammlung.
     
     
 
       
 

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