UmweltBriefe -<wbr> Aus Kommunen und Forschung
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Ausgabe Dezember 2018
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Umweltbriefe

Foto:

Foto: Andreas Roloff

 

Baum des Jahres 2019
Nah am Wasser gebaut

Zur Auswahl standen Kornelkirsche, Douglasie und – die Flatter-Ulme. Und gerade die will das „Kuratorium Baum des Jahres“ nun ins Licht der Öffentlichkeit rücken.
Wer die buschigen Blüten der Flatter-Ulme einmal im Wind hat tanzen sehen, weiß, woher die Art ihren Namen hat. Spricht man von Ulmen, denken die meisten aber wohl zuerst an das Ulmensterben im vergangenen Jahrhundert.

Doch wo Berg- und Feld-Ulme insbesondere durch ihren dramatischen Rückgang traurige Berühmtheit erlangt haben, zeigt die Flatter-Ulme ein ganz anderes Gesicht. Ulmus laevis unterscheidet sich nicht nur botanisch deutlich von ihren bekannteren Schwestern, sie erwies sich auch gegen die Ulmenkrankheit als deutlich widerstandsfähiger. Dass die Flatter-Ulme dennoch eine seltene Baumart in Deutschland ist, hat in erster Linie mit dem Verlust ihres Lebensraumes zu tun.

Die Flatter-Ulme ist ein hochgewachsener Baum der Feuchtwälder und Flussauen. Dort prägt sie zusammen mit Stiel-Eiche, Esche, Berg-Ahorn und Feld-Ulme die sogenannten Hartholz-Auenwälder. Die Flatterulme hält dauerhaft feuchten Böden und längere Überflutungsperioden problemlos aus. Flussauen und überflutete Gebiete sind aber landwirtschaftlichen Flächen gewichen, Flüsse begradigt und Feuchtgebiete trocken gelegt.

Starke Brandenburgerin
In Deutschland ist sie lediglich in den östlichen Bundesländern gut verbreitet – besonders stark in Brandenburg. Dort gedeiht nämlich das größte Vorkommen Deutschlands, wie das Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde vor zehn Jahren in einem bundesweiten Projekt „zur Erfassung seltener Baumarten“ herausgefunden hat. Man zählte damals in Brandenburg exakt „58 158 der oft versteckt im Wald vorkommenden Flatter-Ulmen“. Mecklenburg-Vorpommern folgte mit 24 576 und Sachsen-Anhalt mit 16 353 Bäumen. Alle anderen Bundesländer haben deutlich geringere Werte von unter 10 000 Bäumen. Im übrigen Deutschland ist sie am ehesten noch in den größeren Flußtälern anzutreffen – in der Rhein-Main-Ebene, im Oberrheingraben und entlang der Donau. Flächenmäßig kommt die Flatter-Ulme laut der elektronischen Wald-Datenbank „DSW2“ auf nur rund 300Hektar des gesamten deutschen Waldes, der ja immerhin eine Größe von 1,1 Millionen Hektar hat.

Rettungsfloß für andere Arten
Alle drei heimischen Ulmenarten mögen feuchte Standorte. Die Flatter-Ulme allerdings ist besonders „nah am Wasser gebaut“. Seit der letzten Eiszeit ist sie Teil unseres Ökosystems und hat sich unter verschiedensten Klimabedingungen bewährt. „Wir brauchen Baumarten, die den Herausforderungen klimatischer Veränderungen gewachsen sind“, sagte die Deutsche Baumkönigin Caroline Hensel bei der Ausrufung im Berliner Zoo. Ulmus laevis kann bei der Revitalisierung von Bach- und Flussauen eine entscheidende Rolle einnehmen. Für Arten, die auf Ulmen angewiesen sind, ist die Flatter-Ulme ein regelrechtes Rettungsfloß. Auch wenn sie die Nähe des Wassers liebt – die Flatter-Ulme kann auch auf trockeneren Standorten ganz gut zurechtkommen. Schon im Barock gehörten Ulmen zusammen mit den Linden zu den beliebtesten Alleebäumen. In Osteuropa, ihrem Hauptverbreitungsgebiet, ist die Flatter-Ulme auch heute noch ein häufiger Alleenbaum. Aber auch in Nordostdeutschland kann man noch durch einige Flatter-Ulmenalleen fahren.

Städteplaner, hergehört!
Auch im urbanen Bereich gibt es geeignete Standorte, auf denen der Baum des Jahres 2019 als widerstandsfähiger, attraktiver Stadtbaum punkten könnte: Viele Parks verfügen über Seen und wassergeprägte Bereiche, die ein geeignetes Biotop darstellen. Die Flatter-Ulme hält aber auch trockenwarmes Stadtklima gut aus. Und sie ist recht tolerant gegenüber Luftverschmutzung, Streusalz und Bodenverdichtung. Sie könnte daher – auch als Ersatz für die längst weggestorbenen Feld- und Berg-Ulmen – wieder häufiger an Straßen innerhalb von Städten angepflanzt werden. „Nach Jahrhunderten der Lebensraumzerstörung ist es Zeit, die Flatter-Ulme neu ins Bewusstsein von Städteplanern und Forstleuten zu holen“, sagt Baumkönigin Caroline Hensel. Da lange angenommen wurde, dass alle heimischen Ulmen von der Ulmenkrankheit stark betroffen seien, wurden im urbanen Bereich seit hundert Jahren so gut wie keine Flatter-Ulme mehr nachgepflanzt. Mit den Erfahrungen von heute sollte man nun die Möglichkeit nutzen, die Flatter-Ulme wieder in die Städte und Parks zurückzubringen.

von Tim Bartels

> https://baum-des-jahres.de/

 

 
       
   

Umweltbriefe

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Klimawandel
Größte Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts

Die Folgen des Klimawandels wirken sich in vielerlei Hinsicht auf die menschliche Gesundheit aus. So verschlimmern häufigere Hitzebelastungen Herz-Kreislauferkrankungen und Erkrankungen der Atemwege, was zu einem Anstieg der Sterblichkeit führt. Daneben bergen zunehmende Wetterextreme zahlreiche Gefahren für uns Menschen und vermehrte Starkregenereignisse und Überschwemmungen können durch die Verunreinigung von Gewässern zu einem vermehrten Ausbrechen wasserbedingter Infektionskrankheiten führen. Aber auch weniger ersichtliche Ereignisse, wie das vermehrte Auftreten von Algenblüten, lassen sich auf den Klimawandel zurückführen. Darunter versteht man eine massenhafte Ausbreitung von Algen oder Cyanobakterien (umgangssprachlich Blaualgen), die wie im vergangenen Sommer einige Flüsse und Seen in Deutschland grün gefärbt haben. Einige dieser Arten, wie z. B. die Cyanobakterien, können Giftstoffe produzieren. Diese können über die Nahrungskette oder das Verschlucken des Wassers in den menschlichen Organismus gelangen und Krankheiten bis hin zu Todesfällen verursachen. Auch steigt durch wärmeres Meerwasser die Konzentration von für den Menschen schädlichen Bakterien – wie Cholera-Bakterien – im Meer. Dadurch lassen sich beispielsweise vermehrte Infektionen von Badegästen an der Nordsee erklären. Durch die klimatischen Veränderungen kommt es bei uns auch zur Etablierung neuer Arten, wie der asiatischen Tigermücke. Diese kann Krankheitserreger wie das Dengue- und Chikungunya-Virus übertragen, wodurch es in Kombination mit der Globalisierung und der dadurch entstehenden Gefahr des Einschleppens des Virus durch infizierte Reiserückkehrer, zu einem erhöhten Risiko für eine Infizierung mit diesen Tropenkrankheiten auch bei uns in Deutschland kommt. Eine weitere Folge des Klimawandels in Deutschland ist eine verlängerte Pollensaison, wodurch die Symptome von Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Heuschnupfen verstärkt werden können. Zusätzlich ermöglichen klimatisch günstigere Bedingungen die Etablierung und Ausbreitung von neuen allergieauslösenden Pflanzen, wie zum Beispiel der Ambrosia. Deshalb wird der Klimawandel zurecht als die größte globale Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts angesehen.

von David Nelles und Christian Serrer

> David Nelles und Christian Serrer: Kleine Gase – Große Wirkung: Der Klimawandel. 130 S. Für 5 Euro zu beziehen unter www.klimawandel-buch.de

Sieben Tipps für den persönlichen Klimaschutz:

1. Weniger Fleisch essen. Durch die Fleisch- und Milchproduktion werden weltweit mehr Treibhausgase ausgestoßen als durch den gesamten Auto-, Flug- und Schiffsverkehr. Bei der Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch entstehen etwa 21 Mal mehr klimaschädliche Gase als bei der Herstellung von Obst und Gemüse.

2. Weniger fliegen. Ein Flug von Frankfurt nach Mallorca und zurück verursacht etwa 0,57 t CO2-Äquivalente. Dies entspricht rund 3 400 km mit dem Auto oder einem Viertel dessen, was jeder Mensch pro Jahr nur noch ausstoßen dürfte – nämlich 2,3 t –, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen.

3. Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Wann immer es geht. Denn dadurch verkleinert sich der Treibhausgasausstoß, man schont den Geldbeutel, tut womöglich etwas für die Gesundheit und kommt stressfrei an sein Ziel.

4. Ökostrom beziehen. Damit immer weniger fossile Energieträger verbrannt werden. Dabei sollte man sich an den Siegeln „ok-Power“ und „Grüner Strom“ orientieren. Das ist der einfachste Weg, um aus dem Kohle- und Atomstrom auszusteigen und die Energiewende mitzugestalten.

5. Wählen und demonstrieren gehen. Denn auf rund 50 Prozent unseres Treibhausgasausstoßes in Deutschland haben wir selbst direkt keinen Einfluss, da dieser nur durch Veränderungen in der Politik und Wirtschaft reduziert werden kann.

6. Verschwendung vermeiden. Produkte länger nutzen und reparieren. Auch beim Kauf vieler Alltagsgegenstände kann darauf geachtet werden, dass diese aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Beachten Sie beim Kauf von Elektrogeräten die Energieeffizienzklasse.

7. Lesen Sie dieses Buch. Mit Unterstützung von mehr als 100 Wissenschaftlern haben es zwei Studenten geschafft, durch die Kombination kurzer Texte mit anschaulichen Grafiken ein für jedermann verständliches Buch über die Ursachen und Folgen des Klimawandels zu schreiben:

Fakten, Zahlen, Prognose

  • Seit den vergangenen 150 Jahren ist die weltweite Durchschnittstemperatur um einen Grad angestiegen, weil der Mensch seit der industriellen Revolution enorme Mengen Treibhausgase ausstößt. Den größten Anteil daran hat mit etwa 85 Prozent die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Fünf Prozent entfallen auf die Zementproduktion und zehn auf Landnutzungsänderungen wie z.B. die Rodung der Regenwälder.
  • Chinas Anteil ist aktuell mit 29 Prozent der größte am weltweiten CO2-Ausstoß – gefolgt von den USA mit 14 und der EU mit 10 Prozent. Der deutsche Anteil liegt heute bei etwas mehr als 2 Prozent. Betrachtet man aber die vergangen 100 Jahre, haben die USA mit 26 und die EU mit 22 Prozent insgesamt deutlich mehr CO2 ausgestoßen als China (12 Prozent).
  • Die Ozeane sind wichtige Puffer für die globale Erwärmung, nehmen sie doch 93 Prozent der Energie auf. In der Atmosphäre verbleibt nur ein Prozent der Energie. Die Meere nehmen außerdem knapp ein Viertel der menschengemachten CO2-Emissionen auf. Die Erwärmung ist für 31 Prozent des Meeresspiegelanstiegs verantwortlich; das Abschmelzen des grönländischen Eisschildes und der Gletscher jeweils zu 26 Prozent. Zehn Prozent lassen sich auf den Massenverlust der Antarktis zurückführen.
  • Die globalen Treibhausgasemissionen sind seit der ersten UN-Klimakonferenz 1995 in Berlin um 50 Prozent gestiegen. Wenn wir keine Klimaschutzmaßnahme einleiten, ist eine weitere Erwärmung um 5 °C bis zum Ende des Jahrhunderts möglich.
     
 
 
 

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