UmweltBriefe -<wbr> Aus Kommunen und Forschung
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Ausgabe Juli/August 2020
Bürgerinfo
 
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Umweltbriefe

Foto: Foto: Lothar Drechsel/
Adobe Stock

Tipps fürs E-Rad:

 

Pedelec fahren
Das Rad neu erfinden

Mit dem Elektrofahrrad kann jeder in Zeiten von Corona mobil bleiben. Besonders für die Risikogruppen, also ältere oder gesundheitlich eingeschränkte Menschen, ermöglicht das Pedelec dank Unterstützung durch einen Elektromotor Bewegung an der frischen Luft. Das fördert nicht nur die eigene Fitness und Gesundheit, sondern schont auch die Umwelt.

Ohne größere Anstrengung bergauf fahren, schwere Einkäufe transportieren und ganz entspannt ans Ziel kommen – das macht Elektroräder zur sicher ernsthaften Alternative zum Auto. Im Alltag und vor allem auf Strecken bis zehn Kilometer ist das Elektrorad flexibler und schneller als das Auto oder der ÖPNV. Nicht ohne Grund liegt es im Trend: Jedes dritte hierzulande verkaufte Fahrrad hat mittlerweile einen Elektromotor. Zwar liegt die körperliche Belastung beim Radeln mit dem Pedelec niedriger als beim herkömmlichen Radfahren. Studien sollen aber schon bewiesen haben, dass beim Pedelecfahren „Nutzungsdauer und Gesamtkilometerleistung deutlich höher liegen“ als beim herkömmlichen Radeln. Auf dem Pedelec verbringt man also offenbar viel mehr aktive Zeit, „was die geringere Belastungsintensivität mehr als aufwiegt“. So heißt es zumindest beim ökologischen Verkehrsclub VCD, der für Neu-Einsteiger sowie Gelegenheitsradler, aber auch Alltagspedaleure einen Pedelec-Fitnessplan entwickelt hat.

Ideal hält der VCD das Pedelec für jene, die nach langer Zeit relativer Unbeweglichkeit nun wieder körperlich aktiv werden wollen. Deren vorrangige Ziele sollten lauten: sich an regelmäßiges Aktivsein wieder zu gewöhnen, Übergewicht abbauen und wieder fitter werden. Auch für Gelegenheitsradler könnte es darum gehen, ein paar Pfunde loszuwerden und die eigene Fitness zu verbessern.

Und nicht zuletzt fänden auch Menschen, die ohnehin schon im Alltag häufig radeln, mit dem E-Bike eine neue Herausforderung. Zum Beispiel den Anreiz, mit dem Elektrorad einen fürs normale In-die-Pedale-treten zu langen Weg von und zur Arbeit jetzt doch regelmäßig zu bewältigen – ohne klatschnass und schwitzend die Arbeit beginnen zu müssen. Andererseits ließe sich mit dem Fitnessplan des VCD auch eine längere Pedelec-Tour planen oder gar ein E-Bike-Urlaub.

Das Pedelec hat für alle Nutzergruppen den Vorteil, dass man die Motorunterstützung dosieren und damit auf das eigene Fitnesslevel abstimmen kann. „Insbesondere Berge und Gegenwind verlieren damit ihren Schrecken“, meint der VCD – und damit mache es gerade älteren oder weniger fitten Radlern wieder richtig Spaß, Rad zu fahren. Sich auf dem Pedelec zu bewegen, ist dann keine Herausforderung mehr, sondern purer Spaß.

von Tim Bartels

> Den 48-seitigen VCD-Plan Fit und gesund mit dem Pedelec erhalten Sie kostenlos als PDF unter https://e-radfahren.vcd.org/fileadmin/user&_upload/sicher-e-radkaufen/Fitness&_und&_Gesundheit/VCD&_Pedelec&_Fitnessplan&_Final.pdf

Tipps fürs E-Rad:

1. Für jedes Pedelec-Training gilt: Hohe Trittfrequenz und leichte Gänge erhöhen den Trainingseffekt und sind gelenkschonend. Man darf ruhig einmal aus der Puste kommen, sollte sich aber insgesamt wohlfühlen. In unserem Fitnessplan erklären wir, wie Sie ihre Trainingsherzfrequenz bestimmen und die Belastung für das Herz- Kreislaufsystem optimal halten.

2. Um Rücken- oder Knieschmerzen zu vermeiden: Das Rad sollte optimal eingestellt sein. Am besten lassen Sie Ihr Pedelec beim Fachhändler durchchecken. Wer länger nicht Fahrrad gefahren ist, kann sich auf einer unbefahrenen Strecke oder Fläche wieder damit vertraut machen. Auch Pedelec- Kurse sind zu empfehlen.

3. Mit dem Pedelec zur Arbeit. Gerade der Arbeitsweg lässt sich perfekt als Trainingsstrecke nutzen. Radeln Sie morgens mit höherer Elektromotorunterstützung ins Büro, um zügig und ohne Schweißflecken anzukommen. Nach der Arbeit folgt dann das Training ohne Zeitdruck mit weniger Hilfe des Elektromotors. Auch Umwege für Einkäufe oder Erledigungen können Sie dabei unkompliziert einbauen.

4. Erst mal ein E-Rad leihen. Es gibt zahlreiche Anbieter, die E-Räder verleihen. So können Sie testen, welches Modell zu Ihnen passt, denn E-Bikes sind eine größere Investition als ein normales Rad. Zur Kaufberatung stellt der VCD in seiner E-Rad-Datenbank eine Auswahl verschiedener Modelle, Informationen und Preise zu E-Bikes, Pedelecs und S-Pedelecs bereit.

5. Fitness-Apps zum Pulsmessen und Dokumentation. Bevor Sie mit einem Pedelec-Training beginnen, sollten Sie unbedingt vorher Ihren Hausarzt aufsuchen und sich durchchecken lassen. Nur so können Sie sicher sein, dass das Training Ihnen nicht schadet, sondern sich positiv auf Ihre Gesundheit und Fitness auswirkt.

6. Zwei- bis dreimal Training pro Woche. Schon damit legen Sie einen Grundstein für eine gesunde Zukunft. In Ihrem Körper werden sich mit dem Beginn eines regelmäßigen Trainings in den kommenden Wochen und Monaten positive Veränderungsprozesse in Gang setzen.

Pedelec

Von einer echten Kreislaufwirtschaft der Kunststoffprodukte in Deutschland kann noch überhaupt keine Rede sein.

  • Das Pedelec, kurz für Pedal Electric Cycle, unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor bis max. 250 Watt (W) während des Tretens und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Wer schneller fahren will, ist auf die eigene Körperleistung angewiesen, die bei einem Radfahrer etwa 100 W beträgt. Den Unterstützungsgrad kann man in Stufen einstellen, er ist abhängig von der Pedalkraft oder der Trittfrequenz des Fahrers.
  • Die Definition eines Pedelecs ergibt sich aus §1 Absatz 3 des Straßenverkehrsgesetzes. Es ist dem Fahrrad rechtlich gleichgestellt. Man benötigt also weder ein Versicherungskennzeichen noch eine Zulassung oder einen Führerschein. Für sie besteht zudem keine Helmpflicht oder Altersbeschränkung.
  • Leider ist der Begriff Pedelec nicht sehr eingängig und eindeutig. Deshalb wird häufig „E-Bike“ dafür verwendet, womit aber eigentlich eine andere Fahrzeugklasse (Elektromofa) gemeint ist. Meistens bezeichnet es dennoch das normale Pedelec, das mehr als 90 Prozent des Marktes ausmacht.
     
     
     

 

 
 

Umweltbriefe

Foto:Foto: Tim Bartels

So wird Ihr Garten
bunt und wild:

Insektenfreundlicher Garten
Jeder Quadratmeter zählt

Private Haus- oder Schrebergärten können artenreiche Wiesen und Weiden im Land zwar nicht ersetzen. Dennoch sind auch unsere Gärten ein wichtiger Wildlebensraum, der ein Netzwerk grüner Inseln für heimische Pflanzen, Insekten und andere Tiere bildet – und damit die Folgen der intensiven Landwirtschaft ein wenig abpuffern hilft.

Deutschland zählt fünfzehn Millionen Gartenbesitzer, die – vom Schottergarten zu schweigen – ihren Boden bepflanzen und von denen sich ein zunehmender Anteil gegen den Verlust der Artenvielfalt stemmt. Hinzu kommen Millionen Balkonnutzer, die ebenso ihr Scherflein gegen das Insektensterben beitragen.

Welchen Beitrag zur Biodiversität die Haushalte mit ihren Gärten leisten können, zeigt der Vergleich mit den hiesigen Naturschutzgebieten (NSG) an Land: Deren 1,38 Mio. ha an geschützter Fläche stehen nämlich immerhin 930 000 ha Privatgärten gegenüber. Doch wie muss diese unbebaute Parzelle hinterm Haus aussehen, damit sie Insekten anzieht? Die „bunte Wiese“ ist kein normaler Zustand mehr. Im Verwaltungsjargon heißt es „Grünfläche“ oder auch „Straßenbegleitgrün“. Klingt eher artenarm und nach kurz gehaltenem Grün, auch Rasen genannt, ein strapazierfähiger Belag, möglichst frei von Klee, Löwenzahn und Gänseblümchen. Um ihn dicht zu halten, heißt es: „mähen, mähen und schon wieder mähen“.

Achten Sie auf heimisches Saatgut
Auch Blumenwiesen muss man mähen, damit Gräser und Sträucher nicht zu dicht wachsen und artenarm verbuschen – doch bloß ein- bis zweimal pro Sommer. Abschnittsweises Mähen ist dabei wichtig, um einen kompletten Nahrungsausfall zu verhindern und ein durchgehendes Blühen zu ermöglichen. Zur Anlage einer bunten Wiese gebe es viele Möglichkeiten, schreibt Gartenbesitzerin und Autorin Eva Rosenkranz: „Man kann in eine bestehende Wiese vorgezogene Pflanzen spezieller Anbieter einsetzen, man kann Fenster aus Wildblumenmatten legen oder eine komplett neue Einsaat.“ Dabei sei immer auf heimisches Saatgut zu achten, das die regionalen Bodenverhältnisse berücksichtigt. Also zum Beispiel Hornklee, Glockenblume, Wiesensalbei, Zaunwicke, Wiesenschaumkraut oder Wilde Möhre. Dagegen seien viele Blühmischungen aus den Baumärkten nur wenig geeignet, warnt Eva Rosenkranz. Um herauszufinden, welche Pflanzen für die eigene Region typisch und angepasst sind, empfiehlt sie, sich bei speziellen, zugelassenen Anbietern zu informieren:

> https://www.natur-im-vww.de/bezugsquellen/graeser-und-kraeuter/
> LESENSWERT: Andreas H. Segerer / Eva Rosenkranz:
Das große Insektensterben – Was es bedeutet und was wir jetzt tun müssen. 208 S. 20 Euro, Oekom-Verlag

von Tim Bartels

So wird Ihr Garten bunt und wild:

1. Blühende Gärten ganzjährig. Egal wie groß ein Garten ist: Auch die kleinste Scholle lässt sich insektenfreundlich gestalten. Dabei gilt es, fürs ganze Jahr Nahrungsquellen zu schaffen, also ausreichend standortangepasste Wirtspflanzen über alle Vegetationsmonate hinweg verteilt.

2. Naturnahe Gärten haben in der Regel vier wesentliche Elemente: ein blütenreiches Wiesenstück, verschiedene Staudenbeete, heimische Sträucher (möglichst als gemischte Hecke) und – falls ausreichend Platz vorhanden – Laubbäume.

3. Verzichten Sie auf kurzlebige Hybridpflanzen und gefüllte Blüten. Viele Blumen sehen zwar wunderschön aus, bieten aber keinen Mehrwert für Bienen und andere Sechsbeiner. Dies gilt vor allem für Blumen mit gefüllten Blüten, die den Weg zu Pollen und Nektar versperren.

4. Verzichten Sie auf Dünger, Insektizide und Herbizide. Klar, wer mehr Insekten und bunt blühende Kräuter haben will, setzt keine chemischen „Pflanzenschutzmittel“ ein. Aber auch mineralische Dünger sind im naturnahen Garten tabu. Allenfalls organische Dünger wie Komposterde, Dung oder Hornspäne verwenden.

5. Reisighaufen und Laub anlegen. Sammeln Sie das Laub in einer Ecke oder verteilen Sie es unter den Büschen. Haufen aus Laub und Gehölz im Herbst anzulegen sorgt dafür, dass Kriechtiere und Insekten im Winter Unterschlupf finden.

6. Insektenhotels. Baumärkte offerieren zwar jede Menge gewagter Konstruktionen. Doch die meisten sind gut gemeint, aber schlecht gemacht. Denn Bienen und andere Insekten brauchen mehr als ein paar Hohlziegel und Holzstücke mit Bohrungen. Ohnehin nehmen nur 30 Wildbienenarten Nisthilfen an– und das sind vor allem die ungefährdeten. Alle anderen nisten nämlich im Boden. Wie man wirkungsvolle Bienenhäuser baut, lesen Sie hier:

> https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insekten-helfen/00959.html
> https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/ oekologisch-leben/balkon-und-garten/index.html

Die wichtigsten Bestäuber

  • Die Westliche Honigbiene Apis mellifera ist keine Wildbiene, sondern ein Nutztier des Menschen. Sie fliegt von Blüte zu Blüte, ohne den Baum zu wechseln. Wildbienen dagegen fliegen mehrere Pflanzenstandorte an – und das auch bei schlechtem Wetter. Sie ergänzen die Bestäubungsleistung der Honigbiene.
  • Auch Hummeln zählen zu den Wildbienen. Bei uns sind etwa 40 Arten heimisch. Durch ihren Pelz geschützt fliegen sie Blüten auch bei sehr kalten Temperaturen an.
  • Von den etwa 560 Wildbienenarten in Deutschland (Schweiz: 580, Österreich: 690, weltweit 17 000 Arten) stehen mehr als die Hälfte auf der Roten Liste. 41 Prozent sind in ihrem Bestand gefährdet; 39 Arten sind hierzulande ausgestorben oder verschollen
  • Wildbienen sind sog. Schlüsselarten, die großen Einfluss auf die Artenvielfalt ausüben und deren Verlust dramatische Folgen fürs Ökosystem haben kann.
  • Die Bestäubungsleistung der Bienen hierzulande wird auf 2,5 Mrd. Euro taxiert, weltweit auf 153 Mrd. Unschätzbar ist deren Dienst für den Erhalt der Wildpflanzenvielfalt.
     
     
     

 
       
 

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