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Ausgabe September 2018
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Umweltbriefe

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Foto: piyaset/Fotolia.com

Ratgeber Fleisch & Wurst:

 

Fünf Mal weniger CO2, Teil 4
Zurück zum Sonntagsbraten

Wir essen zu viel Fleisch, es wird zu viel Fleisch produziert, und niemand weiß mehr, wo es eigentlich herkommt. So lässt sich der klimaschädliche CO2-Ausstoß, den unsere Ernährung zu verantworten hat, nicht eindämmen.
Denn verzehren wir weiter so viel Fleisch und Milchprodukte wie bisher, dann werden sich die weltweiten Emissionen aus der Landwirtschaft bis zum Jahr 2070 verdoppeln. Das haben schwedische Forscher vorgerechnet. Dabei gibt es doch eine praktische Möglichkeit für jeden von uns, das Klima zu schützen: einfach den Verzehr von Fleisch, Käse und Milch zurückfahren.

Weltweit drängeln sich knapp anderthalb Milliarden Rinder vor allem in Ställen oder grasen, wenn man sie lässt, auf der Weide. Die Milch und Fleisch gebenden Tiere sind Wiederkäuer, sie stoßen in der Summe viel klimarelevantes Methan (CH4) aus. Über das sehr viel klimaschädlichere Distickstoffmonoxid (N2O) wird zumeist geschwiegen. Dieser auch Lachgas genannte Stoff entsteht, wenn synthetischer Stickstoffdünger für den Futtermittelanbau aufs Feld aufgebracht wird. Pro hundert Tonnen Dünger entweichen drei Tonnen Lachgas – und das ist 296-mal klimawirksamer als Kohlendioxid (CO2).

„Eine nachhaltige Fleischproduktion gibt es nur, wenn sich der Konsum verringert“, so die Botschaft des Fleischatlas, den die Heinrich-Böll-Stiftung herausgibt. Beispielsweise könnten Kantinen einen geringeren Fleischverbrauch fördern, indem sie kleinere Portionen mit Gratisnachschlag anböten und fleischlose Speisen dominanter platzierten. Gäbe es eine Kennzeichnungspflicht je nach Haltungsform, könnte man Fleisch danach auswählen. 88 Prozent der Deutschen würden laut einer Umfrage mehr Geld für Fleisch ausgeben, wenn es die Umwelt schont und es den Nutztieren besser gehen würde. Gigantische Mastställe werden immer weniger akzeptiert. Dagegen könnte eine flächengebundene Tierhaltung helfen, den Bestand zu minimieren: Zwei Kühe, zehn Schweine oder 666 Hühner pro Hektar werden als Limit vorgeschlagen, orientiert an der EU-Verordnung zum Ökolandbau. Verglichen mit der konventionellen Ware ist das Schwein des Ökometzgers zwar sauteuer. Doch dafür bekommt man bessere Qualität und reduziert seinen Verbrauch auf ein gesundes Maß: zurück zum Sonntagsbraten.

Weniger Tiere verursachen weniger Emissionen, aber dadurch könnte man auch die klimaschädlichen Importe der Futtermittel verringern. Weidehaltung wäre wieder Trumpf. Das wirkt sich positiv auf die Emissionen aus, weil bei gutem Herden- und Düngemanagement CO2 dauerhaft in den Wurzeln unter der Grasnarbe gebunden wird.

von Tim Bartels

> www.boell.de/fleischatlas

Ratgeber Fleisch & Wurst:

1. Der Verzicht auf tierische Lebensmittel verbessert Ihre Klimabilanz schlagartig. Im Vergleich zum fleischbetonten Ernährungsstil setzt die vegane Ernährung nach Berechnungen des Öko-Instituts mehr als ein Drittel weniger Klimagase frei.

2. Auch Vegetarier schneiden gut ab. Ihr Klimagasausstoß liegt um ein knappes Viertel niedriger als beim deutschen Durchschnittsesser. Maßvolle Fleischesser liegen zwölf Prozent unterm Durchschnitt. Hier ist noch Luft nach unten, denn wer Fleisch aus ökologischer Erzeugung bezieht, verbessert seine persönliche Klimabilanz deutlich. Ein Schweinsbraten mit Kartoffelknödel aus konventioneller Fertigung schlägt mit 825 g CO2 zu Buche, die Bio-Variante mit 760 g.

3. Wieviel Fleisch ist maßvoll? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für Frauen einen Fleischkonsum von 15,6 Kilo und für Männer 31,2 kg im Jahr – das entspricht 300 bis 600 g in der Woche. Der heutige Verzehr beträgt das Doppelte.

4. Mehr Gemüse, mehr Fisch. Wer „5 am Tag“ beherzigt, also fünf Portionen Obst und Gemüse zu sich nimmt, hat weniger Platz im Magen für Fleisch und vermeidet Bauchfett. Alternative ist Fisch. Er verursacht weniger CO2, doch auch hier gilt: wenig und bewusst auswählen. Greenpeace und WWF haben gute Ratgeber und Apps erstellt, die beim Fischkauf hilfreich sind.
> www.wwf.de/fisch
> www.greenpeace.de/fisch

5. Essen Sie weniger und dafür besseres Fleisch. Als „besseres“ Produkt definiert der WWF Fleisch und Wurst mit EU-Biosiegel. Sie erfüllen den europäischen Standard ökologischer und tiergerechter Landwirtschaft. Ware mit Siegeln deutscher Verbände wie Bioland, Demeter, Naturland, Biopark und Biokreis erfüllen neben den EU-Anforderungen noch zusätzliche Kriterien.
> www.wwf.de/fleisch

6. Wenn schon Fleisch, dann das ganze Tier. Wer Innereien wie Nieren, Kuddeln, Pansen, Zunge oder Knorpel verachtet, schätzt auch das „edle“ Fleisch nicht wirklich. So heißt das „Nose-to-Tail“-Prinzip. Sterneköche und Hofmetzger, die danach kochen und schlachten, nutzen alles vom Tier: von der Schnauze bis zum Schwanz.
> Artikel aus der ZEIT: https://bit.ly/2PTvbMD

7. Essen Sie echtes Weidefleisch. Regionales Weidefleisch kommt ohne Kraftfutter aus und ist daher ressourcenschonend. Es gibt jedoch kein einheitliches Siegel. Im Zweifelsfall nachfragen oder den Betrieb, wenn möglich, selbst mal besuchen.

Fleischfakten

  • Zwar leben in Deutschland immer mehr Menschen, die sich vegetarisch ernähren – mit 4 Prozent eine Verdopplung binnen zehn Jahren. Auch halten sich 12 Prozent für Flexitarier, bemühen sich also, ihren Fleischkonsum zu reduzieren. Und doch liegt der Pro-Kopf-Verzehr seit 2005 stabil bei rund 60 kg Schweine-, Geflügel- und Rindfleisch pro Jahr.
  • Ein Fünftel weniger Fleisch würde soviel weniger Treibhausgase bedeuten wie das Kohlekraftwerk Weisweiler ausstößt.
  • 2017 wurden in Deutschland 27,1 Mio. Schweine, 12,4 Mio. Rinder, 1,8 Mio. Schafe und 41 Mio. Legehennen gehalten. Dabei entstanden 208 Mio. m3 Gülle, Jauche und Gärreste, die auf Wieden und Äcker als Dünger ausgebracht wurden.
  • Weltweit werden bei Tieren, die auf den Tisch kommen, jährlich 131 000 Tonnen Antibiotika eingesetzt – das ist doppelt soviel wie bei den Menschen selbst. Diese Menge wird sich bei fortschreitendem Trend bis 2030 um 53 Prozent erhöhen.
  • Für kein anderes Konsumgut wird so viel Land benötigt wie für Fleisch und Milch: Obwohl nur 17 Prozent des Kalorienbedarfs der Menschheit von Tieren stammt, benötigen sie 77 Prozent des globalen Agrarlands.
    > Quelle: Fleischatlas 2018
     
 
         
 
 

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