UmweltBriefe -<wbr> Aus Kommunen und Forschung
HOME AKTUELL ARCHIV SUCHEN UEBER UNS IMPRESSUM PROBEABO MEDIADATEN
Ausgabe Februar 2019
Bürgerinfo
 
Titel
Merk-Wuerdiges
Kommunen und Regionen
Aus Unternehmen und Forschung
Best Practice
Trends
Best Practice
Hintergrund
EU-Politik
Abfall
Immissionsschutz
Klima
Mobilität
Energie
Naturschutz
Stadtoekologie
Bauen
Publikationen
Bürgerinfo
 
Diesen Beitrag können Sie im Rahmen eines Abonnements unter Angabe der Quelle und gegen Benachrichtigung kostenfrei verwenden.
 

Umweltbriefe

Foto: 

Foto: contrastwerkstatt/
Fotolia.com

Wie man
Ressourcen schont:

 

Internationales Jahr des Periodensystems
Woraus die (Produkt-)Welt ist

Es ist 150 Jahre jung, wächst und hat ein faszinierendes Innenleben: Das Periodensystem der Elemente wird von den Vereinten Nationen wegen seines Stellenwerts für Wissenschaft und Wirtschaft 2019 mit einem Weltjahr geehrt. Bei einigen der 118 aufgelisteten Stoffe kommt es in den nächsten Jahren zu Engpässen.
Unabhängig voneinander ordneten der Russe Dmitri Mendelejew (1834- 1907) und etwa später der Deutsche Lothar Meyer (1830-1895) die Elemente nach ihren Eigenschaften so, dass Prognosen über noch nicht entdeckte Stoffe leichter fielen. Derzeit listet das Periodensystem je nach Zahl der Protonen – den positiv geladenen Teilchen im Atomkern – 118 verschiedene Elemente auf: von oben links mit der Ordnungszahl 1 der Wasserstoff (H) bis unten rechts das erst 2005 entdeckte Edelgas Oganesson (Ordnungszahl 118). Während Grundlagenforscher auf der Suche nach immer schwereren Elementen mit extrem kurzen Halbwertszeiten sind, gewinnen andere Wissenschaftler ihren Reiz auch aus der Arbeit mit der Vielfalt der Eigenschaften verschiedener Verbindungen. Mehr als 99 Prozent der Atome, aus denen der Mensch besteht, sind entweder Wasserstoff, Kohlenstoff (Ordnungszahl 6), Stickstoff (7) oder Sauerstoff (8). Alle Elemente im restlichen Prozent sind aber genauso wichtig: etwa Kalzium (20) für den Knochenbau, Eisen (26) für das Blutbild oder Magnesium (12) für die Muskelfunktion und die Eiweißsynthese. Noch kommen 94 der 118 bekannten Elemente natürlich vor, doch wird es laut der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) bei knapp einem Drittel von ihnen in den nächsten Jahren zu Versorgungseinschränkungen kommen. Das sei vor allem auf das Smartphone zurückzuführen, heißt es bei der GDCh. Betroffen sind neben Metallen wie Silber und Zink auch weniger bekannte Elemente wie Gallium (31), Indium (49) und Hafnium (72). Diese Elemente kommen nur in geringen Mengen auf der Erde vor, werden aber für Halbleiter- und Raumfahrttechnik sowie zum Beispiel für Touchscreens von Smartphones und Tablets gebraucht. Da viele Menschen ihre alten Geräte nicht entsorgen und industrielles Recycling noch nicht absehbar ist, gibt es für viele dieser Elemente noch keinen Kreislauf. Sogar das Edelgas Helium (2) soll in den nächsten Jahren vermutlich knapp werden.

Als unverzichtbar für ganze Industriezweige gelten die sogenannten Seltenen Erden. Das sind 17 Metalle mit so exotisch klingenden Namen wie Yttrium (Ordnungszahl 39), Lanthan (57), Cer (58) oder Neodym (60). Sie sind eigentlich gar nicht selten, kommen aber nicht als reine Metalle vor, sondern sind in mehr als 200 Mineralien nur in Spuren vertreten. Wegen ihrer besonderen Materialeigenschaften, etwa in geringsten Mengen supermagnetisch zu wirken, werden sie für Mobiltelefone, Laptops, Windräder und Elektroautos gebraucht. „Gewürzmetalle“ hat sie der Augsburger Ressourcenstrategieprofessor Armin Reller getauft, weil sie Produkten „den rechten Geschmack oder besonderen Pfiff“ verleihen. Hauptförderland und Hauptexporteur ist China mit einem Marktanteil von mehr als 80 Prozent. Das Problem: Für Abbau und Gewinnung der Erden sind große Mengen Energie und Chemikalien notwendig, was gravierende Umweltschäden und Gesundheitsgefahren verursacht. Und da Seltenerdmetalle erst seit kurzer Zeit in die Umwelt gelangen, ist unklar, welche Folgen ihre Exposition hat.

von Tim Bartels

> Luitgard Marschall, Heike Holdinghausen: Seltene Erden – Umkämpfte Rohstoffe des Hightech- Zeitalters. 191 Seiten, oekom verlag München 2017
> https://www.gdch.de

Wie man Ressourcen schont:

1. Verzicht. Wir leben über unsere Verhältnisse und die einzige Lösung, unseren Ressourcenverbrauch auf ein nachhaltiges Maß zu reduzieren, liegt im Verzicht.

2. Suffizienz. Diese Strategie des Maßhaltens beruht darauf, dass Sie als Verbraucher durch Ihre Kaufentscheidung Art und Umfang des Ressourcenverbrauchs wesentlich mit beeinflussen können. Suffizienz meint somit, den Konsum freiwillig auf ein notwendiges und moderate Maß zu beschränken.

3. Lebensstil ändern. Suffizienz setzt voraus, dass Sie ihren Lebensstil ändern und auf bestimmte Produkte verzichten: Im Fall der Seltenen Erden zum Beispiel auf unsinnige Produktanwendungen wie Einweg-Leuchtkugelschreiber oder bestimmte Feuerwerkskörper. Im Fall der Kunststoffe ließe sich ohne Umschweife auf vielerlei Plastikzeugs verzichten.

4. Sharing. Suffizient meint aber auch noch mehr als den Verzeicht auf bestimmte Dinge. So intensiviert etwa die gemeinsame Nutzung von Elektrofahrrädern, Elektroautos oder Elektrogeräten auch die Verwendung der darin enthaltenen Seltenen Erden, indem die Zahl der Nutzer steigt.

5. Leasing. Produkte, die für ein Leasing bestimmt sind, werden von ihren Herstellern von vorneherein so konzipiert, dass sie langlebig und bei der Rücknahme leicht zu demontieren und zu verwenden sind.

6. Designklassiker. Auch zeitlose Designklassiker tragen zu einer langen Lebensdauer von Produkten bei, da sie sich keinen kurzlebigen trends unterwerfen.

7. Multifunktionsgeräte. Auch durch die Entscheidung für multifunktionale Produkte lässt sich die Ressourceneffizienz erhöhen. Beispiele dafür sind Kombigeräte mit Druck-, Fax-, Scan- und Kopierfunktion oder auch das Smartphone, das neben dem Telefonieren noch andere Bedarfe wie Organizer, Datenspeicher oder Foto- und Videoaufnahme bedienen. Folge: Etwa ein Drittel der Deutschen besitzt gar keine extra Kamera mehr. Nun ist das Smartphone zwar kein umweltfreundliches Produkt und enthält Konfliktmineralien und Seltene Erden. Doch wenn man es lange nutzt …

8. Sachkenntnisse. Damit Sie überhaupt in der Lage sind, sich nachhaltig zu verhalten, benötigen Sie Informationen über die Produktzusammensetzung. Achten Sie auf Kennzeichnungen und Labels. Fragen Sie beim Händler nach. Recherchieren Sie selbst.

 

 
   

Reichweite Seltener Erden

„Reserven“ sind Vorkommen von Rohstoffen, die in der Erdkruste nachgewiesen sind und abgebaut werden können. „Ressourcen“ dagegen werden aufgrund geologischer Hinweise nur vermutet.

  • Man schätzte die Menge der weltweiten Reserven an Seltenen Erden im Jahr 2015 auf 130 Millionen Tonnen. Für das Jahr 2014 gab der US-amerikanische Geological Survey eine weltweite Primärgewinnung von 110 000 Tonnen an. Demnach wäre die Versorgung der Industrie mit Seltenen Erden eigentlich für die nächsten 1 200 Jahre gesichert..
     
 
         
 

© 2019 Walhalla u. Praetoria Verlag GmbH & Co. KG | Impressum | Datenschutzerklärung