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Ausgabe Dezember 2018
 
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Hoffen auf Katowice

In den kommenden Tagen schaut die Welt nach Polen, wo sich die Staatengemeinschaft zum dritten Mal nach dem Pariser Klimaschutzabkommen trifft – in Katowice. Dort geht es darum, jene Regeln festzuzurren, nach denen das Paris-Agreement von 2015 umgesetzt werden soll. „Es kann nur funktionieren, wenn alle nach den gleichen Regeln spielen“, sagt Rixa Schwarz von Germanwatch. Es werden Regeln für eine zuverlässige Buchhaltung gesucht: Wie werden die Treibhausgasemissionen gemessen und wie müssen die Staaten darüber berichten? Verlässlich soll sich künftig feststellen lassen, ob die CO2-Emissionen tatsächlich wie angekündigt sinken werden. Außerdem geht es um verbindliche nationale Klimapläne. In diesen National Determined Contributions, kurz NDCs, muss jeder Staat erklären, welche Klimaziele er sich selbst gibt und wie er diese erreichen will. Monitoring und NDC-Umfang sind strittig. Soll es etwa genügen, in den NDCs nur CO2-Einsparungen im Energiesektor anzukündigen? Oder muss jeder Staat auch Reduktionsziele für Verkehr und Landwirtschaft festlegen? Die eigentliche Streitlinie verläuft zwischen den Industrieländern und den „gleichgesinnten Entwicklungsländern“. China und Saudi-Arabien führen diese Like minded Group of Developing Countries (LMDC) an. Die Industrieländer wollen gleiche Regeln für alle. Länder, die ihre Emissionen nicht selber messen können, soll unter die Arme gegriffen werden. Die LMDCs hingegen fordern ein Regelbuch für Industrie- und eines für Entwicklungsländer. Sie wollen ungern über ihre Emissionen transparent berichten müssen, denn die werden bei ihrer wachsenden Wirtschaft wohl noch einige Zeit ansteigen.

Trotz des Streits um diese Details: Der Druck im Kessel steigt. Denn beim CO2-Ausstoß ist keine Trendwende in Sicht. Global wird 2018 etwa zwei Prozent mehr CO2 emittiert werden als 2017. In den folgenden Jahren kann es ähnlich aussehen. Länder wie Ägypten, China, Indien, Japan oder Vietnam wollen mit neuen Kohlekraftwerken ihren wachsenden Energiehunger decken. Das globale Budget an CO2-Emissionen ist dabei begrenzt. Nach Schätzung des Weltklimarats IPCC darf die Menschheit noch rund 800 Gigatonnen (Gt) CO2 freisetzen, um die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Dies entspricht 20 Jahren mit je 40 Gt – so viel, wie derzeit etwa jährlich ausgestoßen wird – oder 40 Jahren, wenn die Emissionen linear auf null sinken.

Für diese Angaben gebe es zwar Unsicherheiten, sagt der Ko-Direktor am Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), Ottmar Edenhofer: „Doch man sollte sich darauf nicht verlassen“, dass die Erderwärmung vielleicht geringer ausfalle. Und die Aufgabe, die Treibhausgase weltweit zu senken, ist immens. Vor dem Beginn der Pariser Klimagespräche hatten 187 Staaten freiwillig NDCs mit CO2-Reduktionszielen eingereicht. Diese Ankündigungen, sagt Rixa Schwarz von Germanwatch, würden die Erwärmung aber nur auf etwa 3 °C begrenzen. „Sie reichen also bei weitem nicht aus.“ Die NDC müssen also nachgebessert werden – bis Anfang 2020. Dann wird das Klimasekretariat in Bonn anhand der aktualisierten Berichte eine frische Bestandsaufnahme der künftigen Treibhausgasemissionen abgeben.

Und danach wird es verbindlich: Von 2023 an muss jeder Staat alle fünf Jahre ein NDC erstellen. Die Hoffnung ist, dass sich durch das stete Beschäftigen mit Klimaschutz wirksame Strategien weltweit angewandt werden. Doch Ökostrom allein wird das Klima nicht retten. CO2 muss auch wieder eingefangen werden. Fachleute sprechen von „negativen Emissionen“. Wichtig sei die Rolle der Landwirte, meint der neben Edenhofer andere PIK-Ko-Direktor, Johan Rockström (s. Interview S. 12). Landwirte sollten ihre Böden zu CO2-Speicher umwandeln. „Sie müssen weniger pflügen und die Saat auf schonendere Art einbringen.“ Gleichzeitig müssen sie die Äcker effizienter nutzen, um die wachsende Weltbevölkerung ernähren zu können.

von Ralph Ahrens

> https://www.deutsches-klima-konsortium.de/ briefing-cop24

 

 

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